Hirnforscher lassen Bungee-Jumper 30 Mal von Europabrücke springen

Deutsche Forscher haben zwei Bungee-Jumper 30 Mal von der Europabrücke springen lassen. Damit wollten sie das so genannte Bereitschaftspotenzial im menschlichen Gehirn erforschen.

Einer der Springer im freien Fall. Nach nur wenigen Sprüngen gelang es erstmals, das so genannte Bereitschaftspotential in einer Extrem-Situation außerhalb des Labors nachzuweisen.
© Uni Tübingen/Surjo R. Soekadar

Tübingen – ZweiBungee-Jumper haben sich imNamen der Hirnforschung insgesamt 30 Mal von der 192 Meter hohen Europabrücke bei Innsbruck gestürzt. Bei dem Experiment gelang es Wissenschaftlern um Surjo Soekadar vomUniversitätsklinikum Tübingen erstmals, das so genannte Bereitschaftspotenzial im menschlichen Gehirn außerhalb des Labors und unter Extrembedingungen zu messen, wie es in einer Mitteilung der Universität heißt. Nach nur wenigen Sprüngen wurde das Bereitschaftspotenzial zweifelsfrei nachgewiesen. Die Studie soll im Frühjahr in einem Fachmagazin veröffentlicht werden.

Kurz bevor der Mensch eine bewusste Handlung ausführt, kommt es den Forschern zufolge im Gehirn zu einer elektrischen Spannungsverschiebung – diese wird als Bereitschaftspotenzial bezeichnet. Es entsteht noch bevor sich der Handelnde bewusst ist, dass er eine Bewegung ausführen wird.

Das Bereitschaftspotenzial wurde erstmals 1964 von Hans-Helmut Kornhuber und Lüder Deecke beschrieben, die die Hirnströme von Probanden unter Laborbedingungen maßen, während diese Fingerübungen durchführten. In lebensnahen Situationen fanden bislang noch nie Messungen statt.

Verbesserung von Gehirn-Maschine-Schnittstellen

Die Forscher hatten den beidenSpringern kabellose Messgeräte auf denKopf gesetzt, die Daten der Hirnaktivität vor und während des Sprungs übertrugen. Bisher galten Messungen des Bereitschaftspotenzials nur im Labor als möglich, da die Spannungsverschiebung im Bereich von wenigen Millionstel-Volt liegt, wie es in der Mitteilung heißt. „Das aktuelle Experiment zeigt einmal mehr, dass sich die Grenzen des technisch Machbaren immer weiter verschieben und Neurotechnologie schon bald zum Alltag gehören wird“, sagt Soekadar.

Die Ergebnisse des Experiments seien vor allem für die Weiterentwicklung so genannter Gehirn-Maschine-Schnittstellen wichtig, sagte Soekadar. Durch solche Systeme können Querschnittsgelähmte und Schlaganfallpatienten Maschinen mit ihren Hirnsignalen steuern. „Das aktuelle Ergebnis hilft uns dabei, die Zuverlässigkeit dieser Schnittstellen im Alltag wesentlich zu verbessern.“ (TT.com/dpa)


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