Der NFL-Lack hat einige Kratzer bekommen

In der Nacht von Sonntag auf Montag regiert wieder einmal eines der größten Sportereignisse der Welt: der Super Bowl. Die NFL kämpft trotzdem seit zwei Jahren mit Rückschlägen unter der Saison.

Den Legendenstatus hat Tom Brady bereits jetzt inne.
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Von Daniel Suckert

Innsbruck — Joe Montana, Peyton Manning oder Tom Brady. In unseren Breitengraden ziehen viele bei diesen Namen nur unwissend die Augenbraue nach oben. Für die NFL-Fangemeinde in Übersee hingegen sind die Quarterbacks Götter, die mit ihren Super-Bowl-Titeln einen lebenslangen Legenden-Status genießen. Sichtbar durch den berühmten Ring am Finger, der den Superstars freie Tische in überfüllten Restaurants oder kostenlose Golfmitgliedschaften beschert. Alles ermöglicht durch einen Triumph bei einem der weltweit größten Sport-Spektakel: dem Super Bowl. Vor der 52. Ausgabe in Minneapolis zwischen Titelverteidiger New England Patriots und den Philadelphia Eagles plagen die NFL noch andere Probleme.

Geldmaschine: Rund neun Milliarden Euro nimmt die NFL jährlich ein. Überall, wo das Logo auf einem Produkt klebt, klingelt die Kasse. Dass man vor sieben Jahren deshalb vollmundig eine Einnahmensteigerung bis ins Jahr 2027 auf 23 Milliarden ankündigte, scheint nachvollziehbar.

Und nicht einmal die größten Skeptiker zweifelten an der Umsetzung dieses Vorhabens. Schließlich stellt die attraktivste Liga in den USA trotz einer halbjährigen Abstinenz im Fernsehen — die reguläre Saison geht von September bis Jänner — die wertvollsten Teams weltweit. Nun kam jedoch alles anders. Seit zwei Saisonen vermeldet man einen Zuschauerschwund. Laut dem US-Sender ESPN sind die Zuschauer vor den Fernsehgeräten deutlich weniger geworden. Vor drei Jahren hatten noch 1,7 Millionen mehr zur Fernbedienung gegriffen.

Dieses Problem trifft die wertvollste Liga der Welt ausgerechnet in jenen Zeiten, in denen man kräftig expandieren wollte. Die dicken TV-Verträge sind es, die der NFL seit Jahren und noch bis 2022 neunstellige Einnahmen bescheren.

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Protest-Debatte: Die Gründe für die Krise sind vielschichtig. Oberflächlich betrachtet behaupten viele US-Medien, es liege an Präsident Donald Trump. Der hat sich immer wieder über die Proteste vieler afro-amerikanischer Athleten wie Colin Kaepernick beschwert. Der Ex-Quarterback der San Francisco 49ers war während der Bundeshymne hingekniet, um gegen die Polizeigewalt zu demonstrieren. Präsident Trump warf den Footballern daraufhin mangelnden Patriotismus vor. Ein absolutes „No-Go" für das extrem patriotische Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Eine viel wahrscheinlichere Theorie stellt die des Milliardärs und Dallas-Mavericks-Besitzers Mark Cuban dar. Der ortet eine Überflutung an Übertragungen. „Die NFL wird in zehn Jahren implodieren", behauptete der NBA-Teambesitzer. War der Sport mit dem „Eierlaberl" früher nur am Sonntagnachmittag zu sehen, verteilten sich die Übertragungstage mittlerweile. Das sei sogar jedem „Hardcore-Fan" zu viel.

Die Insel Super Bowl: Wenigstens genießt das Endspiel ein ungebrochenes Interesse. Bis zu 120 Millionen US-Amerikaner sitzen durchschnittlich vor den Fernsehgeräten, weltweit liegt man bei 800 Millionen bis zu einer Milliarde Menschen.

Der Fanatismus der US-Fans geht sogar so weit, dass man freiwillig auf die Hochzeit eines Freundes oder der Verwandtschaft verzichten würde, nur um den Super Bowl nicht zu verpassen. Das ergab eine jüngste Umfrage. Und es verwundert nicht, dass beinahe alle geforderten Ticketpreise gezahlt werden. Im Durchschnitt blättert der Football-Anhänger für ein Finalticket zwischen 3000 und 18.000 Dollar hin. Nicht weniger exklusive Zahlen müssen die Firmen für 30-sekündige Werbespots hinblättern: Satte 4,8 Millionen Euro werden dabei gefordert.

Verrückt sind auch die Wetten, die man während einem Super Bowl abschließen kann. Mehr als 400 Wett-Möglichkeiten werden angeboten. Es besteht sogar die Möglichkeit, darauf zu setzen, welche Farbe die obligatorische Gatorade-Dusche für die Coaches kurz vor dem Ende hat.

Während der Football in den USA unter der Saison leicht in der Krise steckt, bleibt der Super Bowl immer noch ein Publikumsmagnet seit den 60er-Jahren.
© gepa

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