„Frauen wollen ihre eigene Chefin sein“

Rund 750 Frauen im Bezirk sind beruflich selbstständig. SPÖ-Funktionärinnen kritisieren negative Rahmenbedingungen, ÖVP-Wirtschaftsfrauen sehen Vorteile.

© Corbis

Landeck –Der Frauenanteil steigt: 2007 lag die „Unternehmerinnenquote“ im Bezirk Landeck erst bei 26 Prozent. Inzwischen sind es 37 Prozent. In absoluten Zahlen: Etwa 750 Betriebe werden derzeit von Frauen geführt.

Die SPÖ sieht die Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen kritisch. „Das jährliche Einkommen liegt tirolweit nur bei 15.600 Euro“, zeigen die Funktionärinnen NR Selma Yldirim und Gabi Rohrbacher vom SPÖ-Wirtschaftsverband auf. „Unternehmerin zu sein, mag vielleicht nach viel Geld und großer Unabhängigkeit klingen.“ Die harte Realität sehe für viele Frauen ganz anders aus – Scheinselbstständigkeit, Ein-Personen-Unternehmen, Mini-Einkommen und prekäre Arbeitsbedingungen. „Arm sein trotz Arbeiten, das trifft auch auf Unternehmerinnen zu. Vor allem, wenn sie alleinerziehend sind“, so Yldirim und Rohrbacher. In Tirol seien mehr und bessere Kinderbetreuungsangebote nötig.

Den steigenden Anteil der Unternehmerinnen im Bezirk Landeck könne sie nur begrüßen, hob die Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft (FiW), Petra Erhart-Ruffer, hervor. Zur Frage, warum sich Frauen zum Schritt in die Selbstständigkeit entscheiden, sagt die Serfauser Unternehmerin: „Man will endlich sein eigener Chef sein. Die Zeit- und Lebensgestaltung ist flexibler planbar.“ Viele Kolleginnen würden – anders als im Angestelltenverhältnis – Vorteile bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehen, so Erhart-Ruffer.

In einem Punkt stimmt sie mit den SPÖ-Frauen überein: „Wir brauchen eine ganztägige, ganzjährige, flexible und qualitativ wertvolle Kinderbetreuung.“ (hwe)


Kommentieren


Schlagworte