Langer Kampf endet mit vorbildlicher Partnerschaft

Aus dem Zeller Postamt ist ein Café mit Postpartner geworden. Zudem erzielte der Ortschef ein neues Provisionsmodell mit der Post.

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Von Angela Dähling

Zell a. Z. – „Beim Red’n kemman d’Leit z’samm“ sagt man im Zillertal. Ein Beispiel, wie durch Gespräche ein Konsens gefunden werden kann, ist die Geschichte der Post in Zell. Da wurde lang geschimpft und gestritten, dann im Gespräch ein Konsens gefunden und gestern partnerschaftlich das Ergebnis namens „Hoagacht“ präsentiert und gesegnet: ein kommunikativer Treffpunkt im Zeller Ortszentrum, an dem Pakete und Briefe aufgegeben werden, Handys verkauft und diese nebenan am Kaffeehaustisch bei Kaffee und Ratscher an eigenen Lade­stationen aufgeladen werden können.

Aber der Reihe nach: Als im April 2016 bekannt wurde, dass das Postamt, das es seit 1851 in Zell gab, aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wird, war der Aufschrei groß. Bürgermeister Robert Pramstrahler kämpfte mit allen Mitteln gegen die für ihn unverständliche Entscheidung der Post AG an. „Denn 2009 war das Zeller Postamt als jenes mit dem besten Filialertrag ausgezeichnet worden“, erinnert der Gemeindechef mit Verweis auf 7500 Einwohner plus Touristen im sieben Orte umfassenden Einzugsgebiet der Post. Mit Unterschriftenaktion und parlamentarischer Anfrage wehrte man sich gegen die Schließung. Vergeblich. Von November 2016 bis Mai 2017 führte die Gemeinde dann selbst die Postgeschäfte.

Schließlich wurde mit der Auracherin Birgit Karg nicht nur eine mutige Unternehmerin als künftige Postpartnerin und Gastronomin gefunden. Auch eine sich auf die Postpartnerschaften in ganz Österreich auswirkende Tarifmodell­änderung konnte durch die Initiative von BM Pramstrahler erzielt werden. „Die ganz kleinen und ganz großen Partner stärkten wir mit dem bisherigen Provisionsmodell. Für das mittlere Segment waren unsere Deckelungen aber nachteilig“, räumt Alois Mondschein (Postpartner-Vertriebsleiter) ein. „Es ging darum, dass unsere Mitarbeiterin über die Provision finanziert werden muss“, erklärt Pramstrahler. Das sei nun der Fall. „Seit der Einführung des neuen Provisionsmodells im Mai 2017 hat sich die Kündigungsrate unserer Postpartner enorm reduziert“, freut sich Mondschein.

Lobende Worte gab es auch von Walter Hitziger, Vorstand der Post AG, laut dem die Österreichische Post heuer 100 Mio. Pakete und 1,6 Mrd. adressierte Sendungen bearbeiten wird. Dekan Ignaz Steinwender, der die Segnung vornahm, verriet: „Als Kind wollte ich Briefträger werden. Jetzt überbringe ich die gute Botschaft auf andere Weise.“ Als positives Beispiel für die Stärkung des ländlichen Raums bezeichneten LA Kathrin Kaltenhauser und Alois Schellhorn (WK Tirol) die Zeller Postpartnerschaft.

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Birgit Karg ist Postpartnerin in Zell und Umhausen und hat in ihrem "Hoagacht Treff" auch einen Shop mit regionalen Produkten integriert.
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