Ingrid Felipe im TT-Chat: Grüne Zeitreise mit Blick voraus

Von Tempo 100, Wasserkraft, leistbarem Wohnen, Neuerschließungen von Skigebieten bis hin zu Öffi-Angeboten – Ingrid Felipe stellte sich gestern den Fragen der TT-Leserschaft.

© Foto Rudy De Moor / Tiroler Tage

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Bereits ein paar Minuten vor dem offiziellen Beginn der Telefon- und Chatstunde in der Tiroler Tageszeitung läutet das erste Mal das Telefon. Die grüne Spitzenkandidatin und Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe nimmt noch rasch einen Schluck aus der Kaffeetasse und los geht es.

Die Anruferin, eine Frau aus dem Zillertal, möchte wissen, warum in ihrer Gegend ein Lift nach dem anderen gebaut wird: „Muss das denn sein? Wo sind da die Bemühungen der Grünen?“, fragt sie erbost – und bekommt von Ingrid Felipe teilweise Recht. Als Juniorpartner in einer Koalition sei es nämlich nicht immer leicht, sich durchzusetzen. „Je stärker wir Grünen sind, desto besser können wir uns dafür starkmachen, dass keine neuen Lifte gebaut werden“, wirbt sie direkt um die Stimme der Dame bei der Landtagswahl am 25. Februar.

Die grüne Spitzenkandidatin ist im Wahlkampfmodus und hat bei fast allen Fragen, die in den folgenden eineinhalb Stunden eintrudeln, stets eine rasche Antwort parat. Meist sind es Themen, mit denen sie gerechnet hat. Als es etwa um den Luft-100er geht oder um die Zunahme des Transitverkehrs durch Tirol, nickt sie wissend, noch bevor die Frage richtig zu Ende gestellt ist – grüne Kernthemen eben. „Die steigende Transitbelastung in den vergangenen fünf Jahren ist auf den europaweiten Wirtschaftsaufschwung zurückzuführen. Das beobachten wir auf allen Alpenpässen“. Es sei den Grünen aber gelungen, durch die Maßnahmen in Tirol trotz der steigenden Schwerverkehrszahlen die Luft zu entlasten und ein Umdenken einzuleiten. Dass der Luft-100er sich positiv auf die Umwelt ausgewirkt hat, würden die Luft­gütedaten zeigen.

Ingrid Felipe griff auch selbst zum Hörer.
© Rudy De Moor

Ebenfalls ganz in ihrem Element ist die Landeshauptmannstellvertreterin beim Thema öffentlicher Verkehr. Da will etwa ein Leser wissen, warum das Tirol-Ticket jetzt doch 490 statt der ursprünglich versprochenen 365 Eur­o kostet – und Felipe deutet an, dass dieses Ziel nach wie vor auf der Agenda steht: „Es bleibt noch viel zu tun, und mit Ihrer Unterstützung arbeite ich gerne daran weiter.“ Auch bei der Frage nach der direkten Zugverbindung zwischen Innsbruck und Lien­z verspricht sie, am Ball zu bleiben: „Fakt ist aber auch, dass wir in den vergangenen fünf Jahren die Anbindung des Bezirks Lienz über den öffentlichen Verkehr vervielfacht haben. Es gibt Busse über den Felbertauern nach Kitzbühel, die Direkt­busse durchs Pustertal und einen Zweistundentakt auf der Bahn mit bahnsteiggleichem Umstieg in Franzensfeste, mit dem man sogar schneller ist als mit dem ehemaligen Direktzug.“

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Stark vertreten in der Diskussion ist das Außerfern. Gleich drei Leser wünschen sich bessere Verkehrsverbindungen – ob nun über den öffentlichen Verkehr oder durch neue Straßen. „Mir ist bewusst, dass es im Bezirk Reutt­e große Probleme aufgrund der Verkehrsbelastung gibt. Ich glaube nicht, dass größere Straßen die Antwort sein können, denn sie bringen noch mehr Verkehr“, macht Felipe klar. Im Rahmen der Fernpassstrategie sei es jedoch gelungen, einige Dinge bereits umzusetzen: „Es gibt bessere Öffi-Verbindungen, mehr Überholmöglichkeiten auf der Fernpassstrecke. Die Kontrollen des Schwerverkehrs wurden verschärft, doch es bleibt immer noch viel zu tun.“

Viel zu tun gäbe es für die Grünen nach Ansicht von zwei Anrufern allerdings auch beim Thema Wasserkraft und Energie. „Wir Grüne sind grundsätzlich für die Nutzung der Wasserkraft, solange diese ökologisch verträglich ist“, macht Felipe klar. Bei alternativen Energien, wie beispielsweise der Sonnenenergie, gebe es noch ungenutzte Potenziale.

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© Rudy De Moor

Was die Frage der Zukunft der Grünen in Tirol und ein­e mögliche neuerliche Regierungsbeteiligung angeht, macht Felipe keinen Hehl daraus, dass die Grünen weiter mitgestalten wollen: „Wir haben in den letzten fünf Jahren in harten Verhandlungen und durch große Hartnäckigkeit viel weitergebracht fürs Land.“ Man habe allerdings auch das ein oder andere Mal Kompromisse schließen müssen, wie beispielsweise bei der Mindestsicherung. Das Klima in der Koalition sei bis heute professionell und kooperativ, daher würden sich die Grünen eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der ÖVP wünschen: „Weil wir noch viel vorhaben und dies gut für das Land ist.“

Nachdenklich wird die Landeshauptmannstellvertreterin schließlich bei der Frage, ob sie ihren Ausflug in die Bundesregierung bereut: „Sagen wir so: Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, hätt­e ich vielleicht einiges anders gemacht. Allerdings bin ich ein Mensch, der zupackt, wenn ich gebraucht werde, und das war in dieser Situation so. Hintennach ist man oft klüger.“ Und als halblauten Nachsatz: „Der Ausflug war ein bisschen wie die Feuerwehr mit Wasserschaden.“

Nach eineinhalb Stunden am Telefon und im Internet-Chat werden die Leitungen geschlossen. „Das war jetzt fast wie eine Zeitreise“, sagt Ingrid Felipe und lacht. Eine Zeitreise durch zahllose Themen, die sie und ihre Partei in den vergangenen fünf Jahren beschäftigt haben.


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