Olympia: Die abwesenden Stars - Russen, NHL-Profis, Björndalen

Pyeongchang (APA) - So viele Stars wie heuer haben bei Olympischen Winterspielen seit Jahrzehnten nicht mehr gefehlt. Die Eishockey-Cracks d...

Pyeongchang (APA) - So viele Stars wie heuer haben bei Olympischen Winterspielen seit Jahrzehnten nicht mehr gefehlt. Die Eishockey-Cracks der NHL werden bei den am 9. Februar beginnenden Spielen in Pyeongchang ebenso vermisst wie viele russische Medaillenkandidaten, norwegische Altstars, verletzte Alpin-Skifahrer oder ein wegen Doping gesperrtes Glamour-Girl.

Den Eishockey-Stars der National Hockey League (NHL) wurde die Reise nach Südkorea verwehrt, weil die nordamerikanische Liga erstmals seit Lillehammer 1994 keine Olympia-Pause einlegt. Aufgrund des mutmaßlich staatlich orchestrierten Dopingskandals bei den Winterspielen 2014 sind nur 169 russische Sportler zugelassen. 43 russische Sporter sind wegen des Doping-Skandals in Sotschi vor vier Jahren lebenslang gesperrt, von einer Liste von 500 Sportlern, die Russland dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für Pyeongchang vorgelegt hatte, wurden 331 vom IOC nicht akzeptiert.

Zudem haben einst herausragende Athleten wie die Norweger Ole Einar Björndalen (Biathlon) oder Petter Northug (Langlauf) die Qualifikation verpasst, deren Landsfrau Therese Johaug (Langlauf) ist nach einem positiven Doping-Test gesperrt. Medaillenanwärter wie der Deutsche Felix Neureuther und die Slowenin Ilka Stuhec (beide Ski alpin) oder die Tschechin Gabriela Koukalova (Biathlon) sind verletzt.

Ein Überblick über die in Südkorea fehlenden Stars:

Russen im Doping-Sumpf: 43 russische Sportler aus den Sportarten Bob, Skeleton, Rodeln, Langlauf, Eisschnelllauf, Biathlon und Eishockey wurden von der IOC-Disziplinarkommission im Zuge des Skandals um systematisches Doping durch Russland während der Winterspiele 2014 im eigenen Land lebenslang für Olympia gesperrt. Einige haben ihre Karriere schon beendet, die beiden Sotschi-Olympiasieger Alexander Tretjakow (Skeleton) und Alexander Legkow (Skilanglauf) hätten aber auch in Südkorea zu den Medaillenkandidaten gezählt. Von den danach von Russland vorgeschlagenen 500 Olympia-Kandidaten wurden nur 169 zugelassen. Nicht akzeptiert wurden unter anderen der sechsfache Olympiasieger Viktor Ahn (Short Track), Staffel-Olympiasieger Wladimir Grigorjew (Biathlon), Langlauf-Doppelweltmeister Sergej Ustjugow, Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Xenia Stolbowa und die Eisschnelllauf-Weltrekordler Denis Juskow und Pawel Kulischnikow.

Die NHL-Stars (Eishockey): Erstmals seit Lillehammer 1994 hat die National Hockey League (NHL), die stärkste Liga der Welt, ihre Teilnahme am olympischen Eishockey-Turnier abgesagt. Während die Spieler teilweise lautstark eine Olympia-Pause gefordert hatten, lehnten die Clubbesitzer und letztlich die Liga diese ab. Der Russe Alexander Owetschkin, der die Entscheidung heftig kritisiert hatte, oder die Kanadier Sidney Crosby und Jungstar Connor McDavid fehlen daher in Pyeongchang. Die NHL hatte von 1998 bis 2014 an fünf Olympischen Spielen teilgenommen.

Ole Einar Björndalen (NOR/Biathlon): Der erfolgreichste Athlet bei Olympischen Winterspielen (8 x Gold, 4 x Silber, 1 x Bronze) musste in dieser Saison seinem Alter Tribut zollen und verpasste die Qualifikation. Der 44-jährige Biathlon-Superstar ist in der aktuellen Weltcupsaison über Rang 18 nicht hinausgekommen - zu wenig, um den Sprung in das starke norwegische Team zu schaffen. Neben acht Olympiasiegen ist Björndalen 20-facher Weltmeister und Sieger von 94 Weltcuprennen.

Petter Northug (NOR/Skilanglauf): Der zweifache Olympiasieger von Vancouver 2010 und 13-fache Weltmeister läuft seit zwei Jahren seiner Form hinterher. In diesem Winter war der erfolgreichste männliche Teilnehmer nordischer Ski-Weltmeisterschaften im Weltcup nur einmal am Start und schied im Sprint von Lillehammer in der Qualifikation aus. Auf dem Podest stand der mittlerweile 32-Jährige im Weltcup zuletzt im März 2016.

Therese Johaug (NOR/Skilanglauf): Das norwegische Glamour-Girl ist seit Oktober 2016 für eineinhalb Jahre wegen Dopings gesperrt. Die Staffel-Olympiasiegerin von Vancouver, zweifache Medaillengewinnerin von 2014 und siebenfache Weltmeisterin hatte während eines Trainingslagers im September 2016 vom Mannschaftsarzt eine Lippencreme bekommen, deren Inhaltsstoff Klostebol auf der Dopingliste steht. Die Creme führte zu einer positiven Probe. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat im vergangenen August die vom Norwegischen Olympischen Komitee ausgesprochene Sperre von 13 auf 18 Monate verlängert und damit die Olympia-Teilnahme verhindert.

Felix Neureuther (GER/Ski alpin): Der 33-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen, bis Kitzbühel Deutschlands aussichtsreichster Medaillenkandidat bei den alpinen Herren, hat sich im November bei einem Trainingssturz das Kreuzband im linken Knie gerissen. Damit bleiben die Frauen in der Familie Neureuther die einzigen mit Olympia-Medaillen. Mutter Rosi Mittermaier hat in Innsbruck 1976 Gold in Abfahrt und Slalom sowie Silber im Riesentorlauf geholt, Ehefrau Miriam (geborene Gössner) holte 2010 mit der deutschen Langlauf-Staffel Silber. Vater Christian Neureuther hat bei Olympia zwei 5. Plätze (1976, 1980) zu Buche stehen, Felix Neureuther war 2010 und 2014 jeweils Olympia-Achter im Riesentorlauf.

Ilka Stuhec (SLO/Ski alpin): Die slowenische Abfahrts-Weltmeisterin hat sich im Oktober bei einem Trainingssturz im Pitztal einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen. Die 27-Jährige hatte in der vergangenen Saison den Abfahrts-Weltcup gewonnen und war im Gesamtweltcup Zweite hinter Mikaela Shiffrin.

Gabriela Koukalova (CZE/Biathlon): Der tschechische Biathlon-Star musste die Saison wegen Problemen mit der Wadenmuskulatur vorzeitig beenden. Die 28-jährige ist zweifache Weltmeisterin und hat in Sotschi zwei olympische Silbermedaillen gewonnen.


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