Krebs - Präzisionsmedizin ist machbar

Wien (APA) - Egal, ob es sich um Methoden der sogenannten zielgerichteten Krebstherapie nach molekularen Charakteristika des Tumors oder um ...

Wien (APA) - Egal, ob es sich um Methoden der sogenannten zielgerichteten Krebstherapie nach molekularen Charakteristika des Tumors oder um die neuen Immun- oder gar Zelltherapien (CAR-T-Zellen) gegen bösartige Erkrankungen handelt, Wissenschaft und Anwendung bei Patienten sind extrem komplex. Längst sind noch nicht alle Fragen geklärt.

Ein Beispiel für den Test der Machbarkeit von Präzisionsmedizin in der Onkologie war in jüngster Vergangenheit die EXACT-Studie von Wiener Onkologen und Krebsforschern (Comprehensive Cancer Center; CCC; MedUni Wien, AKH und Institut für Krebsforschung). Die Studie sollte die Machbarkeit eines Programms zur gezielten Therapie von Krebspatienten mit fortgeschrittener Erkrankung nach Anwendung aller dafür bisher bekannten Behandlungsformen zeigen.

„Wir haben das 2013 gestartet. Es wurden 55 Patienten aufgenommen“, sagte Studienleiter und Onkologe Gerald Prager (CCC). Den Kranken mit den verschiedensten Tumorerkrankungen wurde erneut eine Gewebeprobe entnommen. Dann wurden Anteile von 48 bis 50 Genen der Zellen entschlüsselt, welche für Entstehung, Aufrechterhaltung und Wachstum des Tumors verantwortlich sind. Man suchte zum Beispiel nach Mutationen im HER2/neu-, K-RAS-, Met/Alk-oder p53-Gen. Entsprechend der dabei erhobenen Daten wurde dann ein zielgerichtetes Medikament verabreicht.

„Normalerweise sprechen Krebspatienten auf die erste Therapielinie zum Beispiel ein Jahr an, bei der zweiten Therapielinie sind es dann sechs Monate, bei der dritten Therapieform drei bis vier Monate“, erklärte der Onkologe. Wegen der Kleinheit und der Bedeutung der wissenschaftlichen Untersuchung für jeden einzelnen Patienten konnte man auch nicht mit Placebo vergleichen. In der Studie sollte hingegen zumindest eine Erhöhung des Progressions-freien Überlebens gegenüber der zuvor letzten Behandlungsform erzielt werden.

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Die Ergebnisse zeigten, dass sich ein solches Programm durchführen lässt und manchen Patienten erhebliche Vorteile bringt. Bei 36 von 55 Behandelten zeigte sich ein längerer Behandlungserfolg als bei der zuvor verwendeten Therapie. „Bei 59,6 Prozent konnte eine Krankheitskontrolle erreicht werden. 27 Prozent der Patienten zeigten einen Rückgang des Tumors, bei vier Prozent verschwand der Tumor komplett“, berichtete Prager. Die durchschnittliche Überlebenszeit der Kranken betrug 209 Tage. Einzelne überlebten aber trotz der sehr fortgeschrittenen Krebserkrankung bis zu an die 1.000 Tage. Mittlerweile läuft in Anlehnung an EXACT auch eine ähnliche wissenschaftliche Untersuchung bei hämatologischen Erkrankungen.

Bei den Krebs-Immuntherapien mit sogenannter Checkpoint-Blockade durch monoklonale Antikörper harren ebenfalls extrem viele Fragen einer Antwort: Welcher Patient mit einer bestimmten Karzinomerkrankung profitiert davon? (Tumore mit vielen Mutationen bzw. welchen? Von Entzündungen begleitete Tumore?). In welchem Stadium sind die Aussichten am besten? Wie bestimmt man die Dauer der Wirksamkeit solcher Therapien? Wie werden die Nebenwirkungen optimal beherrscht? Sollten Immuntherapeutika kombiniert werden - mit anderen solchen Arzneimitteln, mit Strahlen-, Chemotherapie oder Krebsvakzinen?


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