Krebs -Neue Therapien 2 - Extrem komplexe Forschungsansätze

Wien (APA) - Die Arzneimittel-Zulassungsbehörden haben keine leichte Aufgabe bei ihren Entscheidungen. Die Fragen von Nutzen, Risiko und Kos...

Wien (APA) - Die Arzneimittel-Zulassungsbehörden haben keine leichte Aufgabe bei ihren Entscheidungen. Die Fragen von Nutzen, Risiko und Kosten haben die Onkologie und die gesamte moderne Medizin immer schon begleitet. Doch die Masse der auf den Markt drängenden Therapien führt zu zusätzlichen Problemen.

Bald nach der Jahrtausendwende startete die „personalisierte Medizin“, heute wird in diesem Zusammenhang immer häufiger von „Präzisionsmedizin“ gesprochen: die Auswahl von Therapeutika gemäß den Genomdaten des Patienten, gemäß den individuell vorliegenden genetischen Charakteristika einer Erkrankung. Erstes Beispiel war ehemals Trastuzumab beim HER2-positiven Mammakarzinom und das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC) mit sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer, die auch die Therapie mancher Formen von Blutkrebs revolutioniert haben.

Derzeit werden Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) in den spezialisierten Kliniken bereits auf drei verschiedene Genvarianten des Tumorgewebes untersucht: EGFR (vermehrte Rezeptoren für den Epidermalen Wachstumsfaktor EGF an der Zelloberfläche), EML4-ALK (eine in der Erbsubstanz vorliegende Fusion von zwei Gen-Bestandteilen) und ROS1, ein in Tumorzellen überexprimiertes Gen für das Enzym Tyrosin-Kinase.

Mittlerweile gibt es bereits zahlreiche „zielgerichtete Medikamente“, die in diesen Fällen zumindest zeitweise gut wirken. Bei auftretender Resistenz existieren auch schon Alternativen für eine Folgetherapie. Ein Forschungsnetzwerk des Otto Wagner Spitals, des Wilhelminenspitals und des Krankenhauses Hietzing in Wien sowie der Pulmologischen Abteilung am LKH Hochegg (Grimmenstein/NÖ) hat zwischen Jänner 2010 und Juli 2014 insgesamt rund 3.700 molekularbiologische Untersuchungen von Gewebeproben von Lungenkarzinompatienten (NSCLC) durchgeführt. Bei 1.999 Kranken, bei denen auf EGFR-Mutationen getestet wurde, zeigten 12,8 Prozent derartige Genveränderungen. Unter 1.421 Patienten, die auf EML4-ALK untersucht wurden, zeigte sich bei 2,3 Prozent eine solche Mutation. Mit einem Anteil von nur 0,7 Prozent (von 294 getesteten Patienten) war der Anteil von ROS1-Mutationen am geringsten.

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Doch das Problem dabei: Je nach Krebserkrankung (befallenes Organ, Gewebetyp) oder je nach Untervariante einer Krebserkrankung (genetische Veränderungen im Laufe der Krankheit) können diese Merkmale häufig bis ausgesprochen selten vorkommen. Und alle neuen Arzneimittel der „Präzisionsmedizin“ müssen in jeder einzelnen möglichen Anwendung in klinischen Studien erprobt werden.


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