Auf den „Unfall“ folgt die Wiedergeburt: IX mit neuem Album

Wien (APA) - Der „Unfall“, den Chris Corner im Vorjahr veröffentlicht hat, war eigentlich ein Befreiungsschlag. Seine so betitelte, rein ins...

Wien (APA) - Der „Unfall“, den Chris Corner im Vorjahr veröffentlicht hat, war eigentlich ein Befreiungsschlag. Seine so betitelte, rein instrumentale Platte brachte dem britischen Musiker, der als IX die Welt betourt, die nötige Sicherheit, um sich wieder dem klassischen Songwriting anzunehmen. Der am Freitag erscheinende Nachfolger „Alive in New Light“ ist wieder von Melancholie und Electrosounds geprägt.

„Ich hatte einfach das Gefühl, dass es zu früh war für echte IAMX-Songs“, erklärte Corner im APA-Interview die Notwendigkeit des experimentellen Albums, das ganz nebenbei bemerkt eine höchst geglückte Ansammlung technoider Beats und Breaks darstellt. „Dennoch wollte ich weiterhin kreativ sein im Studio, aber ohne viel nachdenken zu müssen. Also war mein Plan, mich in der Technologie, in dieser Verspieltheit zu verlieren. Das war ja schon immer Teil von IAMX, insofern passierte ‚Unfall‘ ganz natürlich. Es war einfach eine Möglichkeit für mich, Musik wieder genießen zu können.“

Denn davor war es für den früheren Sneaker-Pimps-Frontmann offenbar alles andere als einfach, seiner Kunst zu frönen. In diesem Kontext könne man aber bereits „Metanoia“ von 2015 als „Metamorphose“ betrachten, betonte Corner. „Ich konnte mich langsam erholen.“ Die neun neuen Stücke von „Alive in New Light“ sind nun gewissermaßen die Wiedergeburt. „Es war wirklich so. Die Platte ist ein Zeugnis davon, dass ich mit mir selbst im Reinen bin. Man kann melancholische Songs schreiben, aber wenn du dich gut dabei fühlst, dann ist das durchaus ein erhebendes Erlebnis.“

Lieder wie die erste Single „Stardust“ oder das pulsierende „Body Politics“ belegen das, bei „Exit“ kommen zudem orientalisch angehauchte Sounds hinzu und „Stalker“ changiert vom voll ausarrangierten Klang zu atmosphärischen Zwischenspielen und wieder zurück. Unterstützung erhält Corner, der neuerlich sämtliche Songs alleine geschrieben, eingespielt und produziert hat, bei einigen Liedern von Kat von D. Auf die Tattoo- und Make-up-Künstlerin ist er eher zufällig gestoßen, nachdem sie einige seiner Songs auf ihren Social-Media-Kanälen geteilt hat. „Als ich sie dann kennenlernte, erkannte ich schnell, dass ich sie gerne auf dem Album haben würde.“

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Herausgekommen sind dabei Songs, die durch die unterschiedlichen Stimmfarben zusätzliche Tiefe erhalten. „Es ist ja lustig, weil wir uns äußerlich so ähnlich sind“, schmunzelte Corner, „wir könnten eigentlich Bruder und Schwester sein.“ Die Kollaboration ist letztlich eigentlich eine Ausnahme im Schaffen des 44-jährigen Briten. „Ich würde eigentlich gerne öfter mit anderen Leuten zusammenarbeiten, aber es ist einfach schwierig für mich. Da werde ich oft sehr schnell sehr selbstkritisch.“ Eine Ausnahme ist auch diesbezüglich „Unfall“ gewesen, das Corner gemeinsam mit seinem langjährigen Bekannten Jim Abbiss erdacht hat. „Ihm vertraue ich einfach, er ist ein alter Weggefährte.“

Aber egal ob alleine oder mit Unterstützung: Die beiden jüngsten, höchst gegensätzlichen Veröffentlichungen aus dem IAMX-Universum zeigen Corner angriffig und eingängig wie schon lange nicht. Besonders der experimentelle Zugang von „Unfall“ sei dabei hilfreich gewesen. „Ich fühlte mich danach einfach freier, ich konnte all diese Ideen aus meinem System bringen. Insofern war ich für ‚Alive in New Light‘ deutlich fokussierter auf das Songwriting, auf die Texte und Inhalte. Es gab einfach weniger Druck, alles unbedingt unterbringen zu müssen.“

Ein bestimmtes Konzept verfolge er aber ohnedies kaum, wenn er sich an eine neue Platte mache. „Ich wünschte, es wäre so einfach. Das soll jetzt nicht zu spirituell oder eigenartig klingen, aber es gibt schon einen Aspekt meiner Musik, den ich einfach nicht kontrollieren kann. Da wird etwas kanalisiert - woher, weiß ich auch nicht. Diesbezüglich muss ich einfach meinem Unterbewusstsein vertrauen. Eine Platte ist insofern immer auch eine innere Reise. Gleichzeitig bin ich aber sehr aufmerksam und nehme vieles auf, was sich in meinem Umfeld oder in der Welt abspielt. Ich bin einfach hungrig nach Information.“

Das Endergebnis bedeute aus seiner Sicht „ein bisschen Politik, ein bisschen Liebe und was mich sonst noch berührt. Einfach alles, was mich beschäftigt. Es gab also keinen Plan, sondern nur den Vorsatz: Das Album soll sich selbst bestimmen.“ Dabei fühlte er sich mehr wie ein Tüftler. „Es ist ja wie ein Puzzle, das du zusammensetzen musst - besonders, was die Sounds betrifft. Und eigentlich ist das auch der Reiz dieser Arbeit, obwohl es natürlich herausfordernd sein kann. Aber ich darf mich nicht beschweren, schließlich würde ich das nicht machen, wenn ich es nicht lieben würde.“ Die Leidenschaft für seine Kreationen bringt Corner allen voran live sehr direkt rüber - zu erleben etwa am 16. März im Wiener WUK.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - www.iamxmusic.com)


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