Sport in Tirol

Der olympische Anschieber

© Helmut Mittermayr

Der Reuttener Kilian Walch geht bei den Olympischen Spielen in Südkorea an den Start. Der 21-Jährige wird für das nötige Startmomentum im Zweier- und Viererbob sorgen.

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Pyeongchang –Ein junger Außerferner schüttelte dieser Tage in Wien die Hand des Bundespräsidenten. Van der Bellen wünschte ihm für die anstehenden Beschleunigungstätigkeiten viel Glück. Kilian Walch, 1,91 Meter groß, 108 Kilogramm schwer, ist jener Kraftlackl, der dem Viererbob „Österreich I“ am 25. Februar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang einen explosiven Anschub verabreichen soll. Benjamin Maier wird das Geschoss pilotieren, Kilian Walch, Markus Sammer und Danut Moldovan für den nötigen Grundspeed sorgen. Am 19. Februar steht der Reuttener bereits im Zweierbob mit Pilot Markus Treichl am Eis. Dort ist er dann fast allein dafür verantwortlich, dass die Startzeiten höhere Weihen nicht ausschließen.

Orientierten sich die Ergebnisse im abgelaufenen Jahr eher am olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles“ – bei der Generalprobe schaute Platz 16 heraus –, so scheint vor Weihnachten der Knopf aufgegangen zu sein. In Winterberg knallten Walch & Co. mit dem Viererbob im zweiten Lauf die beste Startzeit in den Eiskanal, in Königsberg chauffierte Pilot Maier die wertvolle Fracht gar auf Platz 2. Kilian Walch erlaubt sich deshalb, die Erwartungshaltung in homöopathischer Dosierung nachzujustieren: „Ein Platz unter den besten zehn wäre wirklich ein Erfolg für uns.“

Den Bobsport in die Wiege gelegt hat dem derzeitigen Heeressportler niemand. Die Familie wird trotzdem bei jedem Start mitfiebern, will aber nicht gleich den Spitzensportler herausgestrichen wissen. Hauptsache wieder gut heimkommen, lautet der Wunsch von Mama Erika und Papa Reinald in Reutte.

Der 21-Jährige wollte nach Matura und Zivildienst eigentlich in Innsbruck zu studieren beginnen und dem aus Reuttener Gymnasiumzeiten hochgeschätzten Handballsport weiter frönen. Dort wurde er beim Training „entdeckt“ und zu einem Testlauf eingeladen. Eine Weggabelung des Lebens. Kilian Walch schob alles zur Seite und sich in kürzester Zeit in den Bob „Österreich I“ hinein. Als Kind im Turnverein, später Erfolge in der Leichtathletik auf Tiroler Ebene, Volley- und Handball – Walch war immer ein bewegter Mann. Dass er nun aber bei Olympia an den Start gehen kann, begreift der hart Trainierende als Summe glücklicher Fügungen.

Die Frage nach Angst verneint er nicht völlig. Als unbremsbares Geschoss mit weit über 100 km/h durch eine Art Röhre zu rasen und den Lenkkünsten eines anderen ausgeliefert zu sein, habe ihm anfangs schon zu denken gegeben. Walch hat sich wohl am englischen Begriff „to bob“ eine kleine Anleihe genommen und sich nach dem „Zurückwippen für ein ruckartiges Vorschnellen“ entschieden. Eine Restfurcht beim Höllenritt durch den Eis­kanal sei zwar nicht gänzlich verschwunden, das Ziel der Olympiateilnahme aber weit verlockender erschienen. Großer Bedenkenträger ist der freundliche junge Mann jedenfalls keiner.

Zurzeit ist der Reuttener Berufssportler beim Bundesheer. Seine Zukunft sei so offen wie das Abschneiden bei Olympia. Wenn er weiter einen Platz beim Heer behalten und sportlich reüssieren könne, werde er wohl noch länger Heeressportler bleiben und parallel ein Fernstudium beginnen. Und wenn es anders kommt, wird er als Linkshänder Handbälle in die Maschen dreschen und sich eben an der Alma Mater in Innsbruck einschreiben.

Eine große Fanschar ist ihm neben dem Bundespräsidenten, der bei der Verabschiedung der Athleten frei heraus gestand, als junger Mann gemeinsam mit einem Freund einmal heimlich in den Eiskanal in Igls eingestiegen und mit einer Rodel hinuntergebraust zu sein, gewiss. Familie, Freunde, Schulkollegen und ehemaligen Sportprofessoren haben die Starttermine im Kalender längst geblockt. Der Bobsport – gewöhnlich eine Randsportart – lockt bei Olympischen Spielen Massen vor die TV-Geräte. Und seit „Cool Runnings“ in den 90ern ein Kinohit wurde, wissen alle, welche Mitbewerber sich mit „Ääis, zwööi, drüü“ am Start aufschaukeln. Wobei Walch einschränkt, dass heute niemand mehr mit dem Körper wippt und das Kommando schlicht „Bereit, hinten gut, und ...“ lautet.

Kilian Walch ist übrigens nicht der einzige Außerferner bei den Spielen in Südkorea. Der Heiterwanger Philipp Bunte (27) vom Hotel Fischer am See ist als Servicemann im Einsatz. Der 27-Jährige betreut das Langlauf-Nationalteam und ist laut Mama Marina Bunte unheimlich stolz, bei den Olympischen Spielen dabeisein zu dürfen. Bunte ist das ganze Jahr über mit dem Langlauftross unterwegs, vom Ski-Testen bis hin zur perfekten Präparation des Materials. Philipp Bunte startet bereits morgen, Kilia­n Walch hebt am Samstag in den Fernen Osten ab.