Felsrutsch wird zur Geduldsprobe für Fließer

Bis Ende Februar müssen die Fließer einen Umweg machen, um das Dorf zu verlassen. Wegen eines Felssturzes bleibt die Landesstraße gesperrt.

Derzeit wird intensiv gearbeitet.
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Von Matthias Reichle

Fließ –Geht sich das aus? Im Schritttempo kriecht der Lkw am Seitenspiegel vorbei. Auf der engen Straße ist kaum Platz für zwei Fahrzeuge, geschweige denn einen Laster. Auf der einen Seite erhebt sich die Hangmauer, auf der anderen Seite geht’s hinunter. Geschafft! Die Kolonne fährt weiter den Berg hinauf, immer den Gegenverkehr im Auge.

Ein Felssturz verlegt die Landesstraße zwischen dem Neuen Zoll und dem Fließer Dorf.
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Nie waren Ausweichen auf der kleinen Gemeinde­straße nach Eichholz so begehrt wie derzeit. Die kurvenreiche Strecke muss seit Mitte letzter Woche den gesamten Verkehr ins Fließer Dorf aufnehmen – voraussichtlich bis Ende Februar.

Grund ist ein Felssturz, der Mittwochvormittag die Landesstraße direkt unterhalb der Ortstafel zwischen dem Dorf und dem Neuen Zoll verlegt hat. „Anfangs glaubte man, dass das Problem in einer Woche gelöst ist“, sagt Bürgermeister Hans-Peter Bock. Dann stürzten in der Nacht auf Montag erneut Steine auf die Straße. Der Hang sei bis hinauf zur Philomenakapelle in Bewegung.

„Wir hatten gehofft, mit dem Abräumen des Lockermaterials das Auslangen zu finden“, erläutert Landesgeologe Gunther Heißel. Man musste sich inzwischen aber eingestehen, dass das Problem „gar nicht so leicht in den Griff zu bekommen ist“. „Es war eine Kombination aus einer unglücklichen Witterung und einem unglücklichen Gestein“, erklärt er. Regen, Schnee und die milden Temperaturen hatten den wasserempfindlichen Phyllit in Bewegung gesetzt. Der Geologe spricht inzwischen gar nicht mehr von „Fels“, er nennt es „Lockermaterial“. „Es hat sich gezeigt, dass es noch schlechter beieinander ist als befürchtet.“ Das Gestein wird nun mittels Ankerbalken fixiert und darunter vernetzt.

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Bis die Strecke wieder geöffnet wird, dürfte ein ganzer Monat vergehen.
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„Für mich ist das angenehm“, schmunzelt ein Kiebitz bei der Baustelle am Ortseingang von Fließ. Als Anrainer wird er derzeit nicht von morgendlichem Verkehr geweckt. „Dann fährt man halt weniger“, meint er. Für einen anderen ist’s ein Ärgernis. „Echt jetzt??? Jeden Tag eine weitere Weltreise“, schreibt er auf Facebook.

Insgesamt überwiegt das Verständnis. „Die große Mehrheit ist froh, dass nicht mehr passiert ist“, weiß der Dorfchef. Sowohl der Skibus als auch der normale Postbus fährt weiterhin nach Fließ.

Aber es wird in den nächsten Tagen nicht einfacher, so Bock. „Ich bin froh, dass wir zwei Ausweichstrecken haben – eine über Eichholz, die andere über den Piller. Man sieht, dass wir die dringend brauchen.“ Wenn in den nächsten Tagen aber Schnee kommt, sind beide Straßen dafür nicht unbedingt gerüstet.

Dass der Spuk mit Ende Februar vorbei ist, glaubt Bock hingegen nicht. „Wir erwarten heuer mehr solche Situationen“, nicht nur in Fließ, sondern in ganz Tirol. Das bestätigt auch Heißel. Der Frühling wird für die Landesgeologie ein arbeitsreicher.


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