Tod von Mark Salling: „Mitgefühl minimiert Verbrechen nicht“

Viereinhalb Jahre nach dem Tod von „Glee“-Star Cory Monteith nahm sich sein Serienkollege Mark Salling das Leben. In ein paar Wochen wäre er wegen Kinderporno-Besitzes verurteilt worden. Nur wenige trauern öffentlich um den 35-Jährigen.

In der Fernsehserie „Glee“ mimte Mark Salling sechs Jahre lang (2009-2015) den wortkarge Footballspieler Noah „Puck“ Puckerman.
© AFP

Von Tamara Stocker

Los Angeles — Zehntausende kinderpornografische Bilder und Videos hortete Schauspieler Mark Salling (35) auf seinem Computer. In fünf Wochen hätte ein Urteil gegen den 35-Jährigen, der durch die Rolle des „Puck" in der Fernsehserie „Glee" bekannt wurde, fallen sollen. Am Dienstag nahm sich Salling das Leben. Er erhängte sich an einem Baum.

Wie die Nachrichtenagentur AP aus Polizeikreisen erfuhr, wurde die Leiche des Schauspielers durch Zufall entdeckt. Am Stadtrand von Los Angeles war eine Polizeistreife zunächst auf ein verlassenes Auto am Straßenrand gestoßen. Die Auswertung des Nummernschildes ergab, dass der Wagen Mark Salling gehörte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn seine Familie bereits als vermisst gemeldet.

Daraufhin suchten die Polizisten das Gebiet ab — und fanden in einem kleinen Waldstück unweit eines Flusses den leblosen Körper des 35-Jährigen. Weder am Tatort, noch im Auto oder der Wohnung fand die Polizei einen Abschiedsbrief oder eine Erklärung für seinen Suizid. Ein Autopsieergebnis soll in den nächsten Tagen folgen.

„Glee"-Kollegen stehen für Salling ein

Bereits im vergangenen August hatte der „Glee"-Darsteller versucht, sich umzubringen; nahm dann Medikamente gegen Depressionen. Salling war im Dezember 2015 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verhaftet worden. Ermittler fanden mehr als 50.000 kinderpornografische Bilder und Videos auf seinem PC, einem USB-Stick und einer verschlüsselten Festplatte. Die abgebildeten Kinder seien zum Teil erst drei Jahre alt gewesen. Zwei Jahre später bekannte Salling sich schuldig und ging einen Deal mit seinen Anklägern ein. Die Richter einigten sich mit ihm auf ein Strafmaß von vier bis sieben Jahren Haft. Am 7. März hätte ein Urteil fallen sollen.

Die Reaktionen auf Sallings Ableben fallen verhalten aus, auf Facebook und Twitter wird dem gefallenen TV-Star viel Hass entgegengebracht. Ehemalige „Glee"-Kollegen scheuten aber nicht davor zurück, öffentlich um den 35-Jährigen zu trauern. Jane Lynch, die in der Serie die Rolle des scharfzüngigen Cheerleader-Coachs Sue Sylvester innehatte, etwa bezeichnete den Vorfall gegenüber dem US-Promiportal TMZ als „tragisch". Ihr Herz sei gebrochen.

Eindringliche Worte richtete Tim Davis, Vocal-Coach der Serie, an die Öffentlichkeit. Mark Salling sei ein „gebrochener Mann, ein Opfer seiner selbst" gewesen. Davis schrieb: „Heute haben wir einen weiteren „Glee"-Darsteller verloren. Ja, er hat Verbrechen gegen Kinder begangen. Ja, das ist schrecklich. Mitgefühl für Mark minimiert in keiner Weise seine Verbrechen, noch mindert es den Schmerz der Opfer dieser Verbrechen." Er appellierte, an Sallings Familie zu denken: „Bitte haltet euch mit euren herzlosen Kommentaren zurück."

Fans sprechen von „Fluch"

Matthew Morrison, der den Lehrer Will Schuester spielte, postete auf Instagram ein Bild aus vergangenen Tagen, das ihn gemeinsam mit Salling und Cory Monteith zeigt. Monteith war in der Rolle des Finn ebenfalls ein Protagonist der Musical-Comedy-Serie „Glee" und starb im Juli 2013 an einem Drogencocktail aus Heroin und Alkohol. Bis heute herrscht Rätselraten darüber, ob der damals 31-Jährige freiwillig aus dem Leben schied. Laut dem British Columbia Coroners Service lieferten die Autopsieergebnisse keine Beweise dafür, dass sein Tod „etwas anderes als ein höchst tragischer Unfall war". Mit Drogenmissbrauch war Monteith bereits im Jugendalter konfrontiert gewesen.

Auch Naya Rivera, die in der Serie die Cheerleaderin Santana Lopez spielte, hatte in der Vergangenheit des öfteren mit persönlichen Problemen zu kämpfen. Der plötzliche Ruhm stieg ihr im Jahr 2010 derart zu Kopf, dass sie sich dazu entschied, ihr Kind abzutreiben — bekannt geworden war dies erst Jahre später. Im vergangenen November wurde die 31-Jährige wegen häuslicher Gewalt verhaftet. Sie soll ihren Ehemann in einem Streit um ihren Sohn geschlagen haben. Im Jahr 2008 war Rivera mit Salling liiert. Angesichts der vielen negativen Schlagzeilen und allen voran der Todesfälle sprechen viele „Glee"-Fans in sozialen Netzwerken von einem „Fluch", der über der Serie liegt.


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