„Pickerl“-Abgasmessung: Aus für Greenpeace „völlig unverantwortlich“

Wien (APA) - Das geplante Ende von sogenannten Endrohrmessungen bei der Paragraf-57a-“Pickerl“-Überprüfung ist für Greenpeace „völlig unvera...

Wien (APA) - Das geplante Ende von sogenannten Endrohrmessungen bei der Paragraf-57a-“Pickerl“-Überprüfung ist für Greenpeace „völlig unverantwortlich“. Die Umweltorganisation forderte am Mittwoch verschärfte Abgastests. „Ansonsten könnten rund 150.000 Fahrzeuge mit gesundheitsgefährdenden Mängel jährlich auf Österreichs Straßen landen“, hieß es in einer Aussendung.

Greenpeace berief sich auf internationale Studien, die zeigen würden, dass sogenannte On-Board-Diagnosen (OBD) durch ein reines Auslesen von Computerdaten allein nicht ausreichen, um Mängel oder Manipulationen in der Abgasreinigung zu entdecken. Statt die Auspuff-Messungen abzuschaffen, müssten diese massiv verbessert werden, forderte Greenpeace. Dazu gehören etwa neue, an der TU Wien entwickelte Verfahren, mit denen neben Feinstaubpartikeln auch die Stickoxide rasch und kostengünstig gemessen werden können.

Kritik kam erneut auch vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). „Bei den Abgastests braucht es rasch umfassende Verbesserungen. Was heute präsentiert wurde, ist leider genau das Gegenteil. Ein mangelhaftes System wird weiter verschlechtert“, sagte VCÖ-Experte Markus Gansterer in einer Aussendung. In Zukunft werden nur mehr die On-Board-Daten ausgelesen, aber nicht mehr der Feinstaubausstoß beim Auspuff gemessen. In Österreich betrifft das laut VCÖ 3,2 Millionen von insgesamt 4,9 Millionen Pkw.

Deutschland führte mit Jahresbeginn die Endrohrmessung wieder ein. Laut TÜV Deutschland wurden mit dem OBD-System bei rund einer Million Pkw vorhandene Mängel nicht entdeckt, berichtete der VCÖ. Werden diese Daten auf Österreich umgelegt, dann werden laut VCÖ-Zählung 100.000 Pkw in Zukunft mit viel zu hohem Schadstoffausstoß auf den Straßen unterwegs sein. Bei der Studie in Deutschland wurden mit der Kombination von Endrohrmessung und OBD-System bei 7,1 Prozent der Autos Mängel erkannt, nur mit dem OBD-System wurden nur bei 1,9 Prozent der Fahrzeuge Mängel erkannt. Das heißt, zwei Drittel der Mängel-Autos wurden durch das OBD-System nicht erkannt, verdeutlichte der VCÖ. Mangelhafte Abgaskontrollen bedeuten dann mehr Luftverschmutzung durch den Autoverkehr.

„Die geplanten Neuregelungen mögen zwar im Interesse der Automobilindustrie sein, im Interesse der Verkehrssicherheit und der Gesundheit der österreichischen Bevölkerung sind sie sicher nicht“, kritisierte der Klubobmann der Liste Pilz, Peter Kolba. OBD sind reine Software-Tests ohne tatsächliche Messungen im Auspuffrohr, betonte Kolba in einer Aussendung. Dadurch würden nicht nur Mängel an der Abgasreinigung an Pkw, Lkw oder Motorrädern nicht zuverlässig erkannt, auch öffnen sie der Manipulation durch „chip-tuning“ Tür und Tor. „Spätestens seit dem VW-Abgasskandal und den Versuchen der Automobilindustrie, durch zweifelhafte Studien die angebliche Unbedenklichkeit von Autoabgasen nachzuweisen, sollte auch dem Infrastrukturminister Hofer bekannt sein, dass Kontrollen über Software manipuliert sein können“, sagte Kolba.

Kritik äußerte auch die Umweltschutzorganisation Virus. „Skandale um manipulierte Software und überhöhte Abgaswerte und Tier- bzw. Menschenversuche haben jeder Form von Vertrauen in die Redlichkeit von Kfz-Herstellern den Boden entzogen. Ein Verzicht auf Abgasrohrmessungen wäre ein weiterer Kniefall und die Kapitulation der Politik,“ sagte Sprecher Wolfgang Rehm. Die Umstellung auf das „ausschließliche Auslesen einer Software, deren Quellcode nicht öffentlich ist, ist angesichts der aufgetretenen massiven Manipulationen mittels eben jener Software nicht tragbar“, betonte Rehm.


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