Olympia-Bewerbung: KPÖ sammelt Unterschriften für Volksbefragung

Graz/Wien (APA) - „Ab sofort sammeln wir Unterschriften in Graz für eine Volksbefragung zu Olympia“, gab KPÖ-Stadträtin Elke Kahr am Mittwoc...

Graz/Wien (APA) - „Ab sofort sammeln wir Unterschriften in Graz für eine Volksbefragung zu Olympia“, gab KPÖ-Stadträtin Elke Kahr am Mittwoch bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Kommunisten warnen vor hohen Kosten möglicher olympischer Winterspiele mit Graz als „Host City“ und wollen daher vorher eine Befragung der Bürger. Für diese sollen nun 10.000 gültige Unterschriften bis Anfang Sommer gesammelt werden.

Kahr erkenne in ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagls ablehnender Haltung zu einer Volksbefragung Unsicherheit. Tatsächlich handle es sich um eine „finanziell weitreichende Entscheidung“, zu der die Bevölkerung befragt werden soll. Da die Grazer Stadtregierung das nicht von sich aus plant, soll nun der Weg über die 10.000 Unterschriften begangen werden: „Wir wollen nicht warten, bis der Zug zum Rollen gekommen ist“, betonten die KPÖ-Stadträte Kahr und Robert Krotzer.

Sie hatten sich auch bereits gegen das nun in Bau befindliche Murkraftwerk gestellt und Unterschriften gesammelt. Doch trotz genug gültiger Unterschriften wurde wegen einer laut Juristen nicht korrekten Fragestellung keine Volksbefragung zum Wasserkraftwerk durchgeführt.

Anders soll es nun bei Olympia 2026 laufen: Der Wortlaut der Fragestellung sei nicht nur mit dem Magistrat Graz abgeklärt, sondern die KPÖ habe diesen auch von einer dritten Rechtsmeinung bestätigen lassen. Wer das ist, wollten sie auf Nachfrage zwar nicht nennen, doch man sei sich sicher, dass die Fragestellung hält - auch nach Ende März, wenn es den „Letter of Intent“ schon geben soll. Ziel sei es, noch vor der offiziellen Kandidatur genug Unterschriften zu haben, um noch rechtzeitig vor Oktober die Volksbefragung durchzuführen.

„Das ist eine große Herausforderung“, so die Kommunisten, daher wollte man auch nicht auf die vom Bürgermeister versprochenen Zahlen und Fakten warten. „Die Leute gewöhnen sich an den Gedanken, nichts mehr ändern zu können.“ Daher werde sofort mit der Unterschriftensammlung bei Info-Ständen und -Veranstaltungen begonnen. Postwurfsendungen sind ebenso geplant wie eine überparteiliche Plattform. Die KPÖ hofft auch auf Mitstreiter unter den anderen Parteien - konkret von der SPÖ und den Grünen. „Der Motor wollen aber wir sein“, meinte Kahr.

Die Fragestellung auf der Unterschriftenliste lautet: „Soll sich die Stadt Graz weiter dafür einsetzen, ‚Host City‘ (Gastgeberstadt) und Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2026 zu werden?“ Die Kommunisten hoffen, dass nicht nur Olympia-Gegner unterzeichnen, sondern auch jene, die trotz einer Pro-Olympia-Haltung den Wunsch nach einer Volksbefragung verspüren. „Es reicht uns nicht, am 15. März im Gemeinderat Nein zu sagen. Unser Motto ist: Lieber zuerst denken als hinterher zahlen.“

Apropos zahlen: Klubobmann Manfred Eber zufolge kalkuliere die Schweizer Konkurrenz-Stadt Sitten im Kanton Wallis mit rund 20 Millionen Euro an Bewerbungskosten. In Innsbruck, wo ja die Bevölkerung im vergangenen Oktober gegen eine Bewerbung gestimmt hat, ging man von etwa 15 Millionen Euro aus. „Die acht bis neun Millionen Euro, die Nagl nannte, werden da wohl nicht reichen.“

Die gesamten Spiele mit „Host City“ Graz sollen kolportierte 1,2 Milliarden Euro kosten. Auch diese Zahl sei angesichts anderer Olympia-Kosten „kaum zu glauben“. Von den mehr als 900 Millionen Euro, die vom Internationale Olympische Komitees (IOC) fließen sollen, werde ein beträchtlicher Teil in Sachleistungen beigesteuert. Außerdem sei das IOC laut Eber bekannt als „Meister in Sachen Korruption“.

Sollte sich die Grazer Bevölkerung bei einer möglichen Volksbefragung für eine Olympia-Bewerbung aussprechen, so wolle die KPÖ das Ergebnis „natürlich akzeptieren“.


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