100. Todestag von Gustav Klimt: Virtual Reality und Lichtinstallation

Wien (APA) - Am Dienstag wird der erste der vier Todestage begangen, die vor 100 Jahren einen tiefen Einschnitt in die österreichische Kunst...

Wien (APA) - Am Dienstag wird der erste der vier Todestage begangen, die vor 100 Jahren einen tiefen Einschnitt in die österreichische Kunstgeschichte verursacht haben: Malerfürst Gustav Klimt starb am 6. Februar 1918 an den Folgen eines Schlaganfalls. Ihm folgten innerhalb weniger Monate Otto Wagner (11. April), Kolo Moser (18. Oktober) und Egon Schiele (31. Oktober). Eine Epoche war zu Ende.

Am Todestag selbst wird zeitgleich (jeweils um 19 Uhr) in der Wiener Klimt-Foundation eine Lichtinstallation von Brigitte Kowanz mit Klimts Lebensdaten („eighteensixtytwo nineteeneighteen“) sowie eine interaktive Ausstellung von Frederick Baker im MAK („Klimt‘s Magic Garden: A Virtual Reality Experience“) eröffnet.

Wenige Tage später startet das Kunsthistorische Museum seinen Klimt-Schwerpunkt: Von 13. Februar bis 2. September ist Klimts Gemälde „Nuda Veritas“ in der Antikensammlung zu sehen, während die bereits zum 150. Geburtstag des Malers 2012 bewährte „Klimt-Brücke“ im prunkvollen Stiegenhaus den besten Blick auf den vom jungen Maler-Genie in zwölf Metern Höhe zwischen Säulen und Arkaden gestalteten Bilderzyklus an der Decke bietet.

Am 12. Februar spürt im „KulturMontag“ vor dem „Klimt“-Film von Raoul Ruiz mit John Malkovich als Malerfürst eine Dokumentation von Thomas Macho dem Meister der Wiener Moderne nach. „Ein Kuss macht Kasse - Klimt zwischen Kunst und Kommerz“ (ORF2, 23.30 Uhr) zeigt auch Merchandising-Produkte wie Klimt-Teddybär, Klimt-Hundedecke und Klimt-Praline, und besucht einen Kopisten im südchinesischen Malerstädtchen Dafen, der an Klimt-Kopien arbeitet. Auch Meisterfälscher Wolfgang Beltracchi soll übrigens nicht nur im Klimt-Stil gemalt, sondern für das Projekt „Kairos“ auch mit einem Klimt-“Selbstporträt“ eine kunsthistorische Lücke geschlossen haben.

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

Vor wenigen Tagen schloss die bisher größte Klimt-Ausstellung an der amerikanischen Westküste ihre Pforten. „Klimt & Rodin: An Artistic Encounter“ am vom Österreicher Max Hollein geleiteten „Fine Arts Museums of San Francisco“ erreichte über 170.000 Besucher. Was den Kurator Tobias Natter besonders freut: Trevor Traina, der neue designierte US-Botschafter in Österreich, könnte durchaus in die Fußstapfen von einem seiner Vorgänger, Kunstmäzen Ronald Lauder treten: „Die Liebe zur Kunst ist ihm in die Wiege gelegt. Besonders jene zu Klimt. Seine Mutter Diane B. Wilsey war mit einem sechsstelligen Dollar-Betrag ‚Presenting Sponsor‘ der Ausstellung“, so Natter zur APA. Einen neunstelligen Dollar-Betrag, nämlich 135 Millionen, hatte sich Lauder Klimts aus dem Belvedere restituierte „Goldene Adele“ kosten lassen, und machte sie 2006 zum damals weltweit teuersten Gemälde.

Natter, der sich nach dem Ausscheiden als Direktor des Leopold Museums selbstständig gemacht hat, bereitet für den Herbst eine große Publikation im Taschen Verlag vor, die über 400 historische Fotos enthalten soll: „Gustav Klimt und die Frauen. Vom Traum der Schönheit“. Sein Kollege Alfred Weidinger, früherer Vizedirektor von Albertina und Belvedere und heute Direktor des Museums der bildenden Künste Leipzig, hat seine Publikation zum Klimt-Jahr dagegen bereits vorgelegt. Gemeinsam mit Mona Horncastle hat er eine im Brandstätter Verlag erschienene umfassende Biografie verfasst. „Gustav Klimt war stur und zielstrebig, selbstbewusst und uneitel. Er hat für seine Kunst und durch seine Kunst gelebt und sich nicht verbogen“, schreiben die Autoren.

Im Unteren Belvedere wird man ab 23. März in der Ausstellung „Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa“ nachvollziehen können, welche Auswirkungen das Ende des Ersten Weltkrieges auf die Kunst der Donaumonarchie und der neu entstandenen Nationalstaaten hatte. Im Oberen Belvedere, wo ab 1. März die Dauerausstellung - darunter Klimts weltberühmter „Kuss“ - in Neuaufstellung gezeigt wird, ist dagegen ab 13. März im Rahmenprogramm zur Schau die Schauspielerin Maxi Blaha in dem Stück „Emilie Flöge - Geliebte Muse“ zu sehen.

Wer mit Gregor Auenhammer „Auf den Spuren von Gustav Klimt. Spaziergänge durch Wien“ unternimmt (Styria Verlag), der landet früher oder später bei der Klimt-Villa in der Feldmühlgasse im 13. Wiener Gemeindebezirk, wo Klimts langjähriges Atelier seiner letzten Schaffensperiode detailgetreu nachgebaut wurde. Jeden Samstag um 14 Uhr gibt es hier Führungen, am Todestag steht eine Sonderführung auf dem Programm. Eine Sonderausstellung zum 100. Todestag stellt ab 5. Mai unter dem Titel „Klimt Lost“ das Thema Raubkunst und jenen Teil von Klimts Werken, der im Krieg verschwand oder verbrannte, in den Mittelpunkt.

Am Attersee, wo Gustav Klimt viele Sommer verbrachte und unzählige Werke schuf, betreibt die Klimt-Foundation ein Klimt-Zentrum, das im Vorjahr von rund 10.000 Kunstinteressierten besucht wurde. Das Ausstellungsjahr beginnt hier am 12. Mai und widmet sich den „Floralen Welten“ Klimts. Die von der Foundation erstellte umfassende Objektdatenbank zu Gustav Klimt soll in zwei Teilen im März und im Juli online gehen (www.klimt-database.com).

Auf die größte Klimt-Schau des Jahres muss man jedoch bis zum Sommer warten: Im Leopold Museum führen die Kuratorinnen Heike Eipeldauer und Sandra Tretter von 22. Juni bis 4. November Bestände des Leopold Museums und der Privatsammlung der Familie Leopold, Sammlungsexponate der Klimt-Foundation, Werke einer neuen, dem Museum überantworteten Dauerleihgabe eines Klimt-Nachfahren sowie ausgewählte internationale Leihgaben aus privaten und institutionellen Sammlungen zusammen.

(A V I S O - Ein Porträt und eine Übersicht über Aktivitäten im Klimt-Jahr hat die APA am 12.12.2017 gesendet. Die Meldungen sind im AOM abrufbar. Zur MAK-Schau sendet die APA heute Nachmittag einen Vorbericht.)


Kommentieren