Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwurf: Prozess in Wiener Neustadt

Wiener Neustadt (APA) - Vergewaltigung eines Burschen, mehrfacher sexueller Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Perso...

Wiener Neustadt (APA) - Vergewaltigung eines Burschen, mehrfacher sexueller Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person und geschlechtliche Nötigung sind einem Pensionisten angelastet worden, der am Donnerstag am Landesgericht Wiener Neustadt vor einem Schöffensenat stand. Er soll sich von 2015 bis 2017 an jungen Menschen aus einer privaten Therapieeinrichtung vergangen haben.

Wie die Staatsanwältin ausführte, suchte der 63-Jährige ab 2015 Kontakt zu Jugendlichen, die geistige Defizite hatten, aus desolaten familiären Verhältnissen stammten und bei dem Sozialverein im Bezirk Wiener Neustadt-Land Wohnmöglichkeiten hatten. Der Mann, ledig, Jahrzehnte bei den ÖBB beschäftigt, lud sie zu sich ein, schenkte ihnen Zigaretten, gab Getränke aus und baute ein Vertrauensverhältnis auf. Schließlich bot er ihnen Geld für sexuelle Dienste an und schreckte auch vor Gewalt nicht zurück, um sie zu geschlechtlichen Handlungen zu zwingen, sagte die Anklägerin. Die Opfer - insgesamt fünf - seien unter Druck gesetzt und in Stresssituationen gebracht worden.

Eine junge Frau habe der Beschuldigte beim Kaffeekochen bei sich zuhause zehn Minuten lang zwischen den Beinen berührt und bedrängt, obwohl sie um Hilfe schrie. Eine 20-Jährige mit geistigen Defiziten ließ er bei sich wohnen, sie putzte und war ihm schließlich gegen Bares mehrmals zu Diensten - aus Angst, rausgeschmissen zu werden. 2017 habe der Angeklagte dann einen Burschen in seinem Hinterzimmer vergewaltigt. Ein anderer 16-Jähriger stellte in der Folge klar, sich an die Polizei zu wenden, sollte er Avancen oder Gewalt ausgesetzt sein. Eine 18-Jährige sei genötigt worden, den 63-Jährigen für 60 Euro zu befriedigen - sie lehnte ab und ging.

Der Verteidiger beschrieb seinen Mandanten als jahrzehntelang alleinstehend und „Messie-haft“ lebend. Es sei richtig, dass er Kontakt zu Jugendlichen suchte, die ihrerseits Zuflucht brauchten, ihn aber auch „weidlich ausgenützt“ hätten. Es seien Freundschaften entstanden. Dem 63-Jährigen sei bewusst, dass es „problematisch“ und „nicht fein“ war, sich geschlechtliche Handlungen zu erkaufen, aber er habe keine Gewalt ausgeübt. Laut Gutachten seien die Opfer - bis auf eine junge Frau - nur geringfügig geistig beeinträchtigt, also „alltagstauglich“ und in der Lage, geschlechtliche Handlungen als solche zu erkennen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Die Vergewaltigung habe nicht stattgefunden, verwies der Rechtsanwalt darauf, dass der Bursch laut Sachverständigem zum „Fabulieren“ neige. Außerdem stelle sich die Frage, warum jener junge Mann, der ursprünglich aussagte, mitgewirkt und das Opfer gefesselt zu haben, nicht angeklagt sei - ebenso wenig wie jener Mann, bei dem die 20-Jährige in der Folge eingezogen war und mit dem sie ebenfalls intim wurde. Mit dieser sei der Beschuldigte übrigens weiterhin in freundschaftlichem Kontakt gestanden. Seitens des Vereins habe man diese Kontakte unterbinden wollen, weil die Jugendlichen sich so gern - wohl auch wegen der Zigaretten - bei ihm aufhielten, meinte der Rechtsbeistand.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig. Nach dieser Äußerung wurde die Öffentlichkeit von der Verhandlung, in der eine Reihe von Zeugen gehört werden sollten, ausgeschlossen.

Aufgeflogen war die Causa im Sommer 2017 laut Medien auf Umwegen: Ermittler waren einem Brandstifter auf der Spur und stießen dabei auf den Missbrauchsfall.


Kommentieren