Grazer TiB startete 2018 mit spiritistischem Frauen-Tanztheater

Graz (APA) - Mit einer über weite Strecken atypischen Produktion ist das Grazer Theater im Bahnhof (TiB) am Mittwochabend in die zweite Halb...

Graz (APA) - Mit einer über weite Strecken atypischen Produktion ist das Grazer Theater im Bahnhof (TiB) am Mittwochabend in die zweite Halbzeit der laufenden Saison gestartet. „Lass los den alten Scheiß“ ist eine wort- und schmähkarge, dafür atmosphärisch dichte und unverkrampfte Kooperation mit dem niederländischen Tanzperformance-Spezialisten Robert Steijn.

„Wenn Sie etwas nicht verstehen, ist das völlig okay“, warnt eine der vier Performerinnen des TiB-Ensembles bei der Einführung in den Abend im Foyer des Grazer Kristallwerks (vormals TTZ, Anm.) Danach geht es in den Theaterraum, wo sich ein von Martin Schönbacher gestaltetes, farbenfrohes Bühnenkunstwerk offenbart, das das antike Orakel von Delphi symbolisieren soll.

Unter der großteils hängenden Installation entfaltet sich in der Folge eine Art gruppen- und selbsttherapeutischer Hexensabbath. Worte haben hier wie gesagt eine Nebenrolle. Die vier Protagonistinnen (Juliette Eröd, Gabriela Hiti, Eva Hofer und Monika Klengel) absolvieren einen gemeinsam mit Regisseur Steijn zusammengebauten Reigen aus weiblich-archetypischen Versatzstücken, in dem der TiB-typische, gegenwartskritische Schmäh sparsam, aber durchaus nicht wirkungslos eingesetzt wird. Da darf sich das Orakel schon einmal mithilfe eines der Darstellerinnen-“Medien“ ziemlich derb über den neuen Innenminister äußern oder der jüngst verstorbenen Flüchtlingshelfer-Ikone Ute Bock eine mit einer Prise Pfeffer versehene Hommage in den wohlverdienten Ruhestand im Himmel nachliefern.

Die Schauspielerinnen wechseln während der Performance ebenso sprichwörtlich wie buchstäblich fortwährend das Hemd und die Identitäten. Das TiB wäre nicht das TiB und Steijn wäre nicht Steijn, wenn das Umkleiden dabei in einer Kabine stattfände. Operiert wird mit verschiedene Rollenbildern aus antiker Mythologie, weiblicher Mystik und sogar aus der Kunstgeschichte - in dem Fall Albrecht Dürers „Eva“ - selbstverständlich ohne Adam, denn der Abend soll ja laut Presseaussendung ohne „männlich-anthropozentrisches Denken“ auskommen.

Das im Programm durchaus schlüssig dargelegte und von den Schauspielerinnen auch engagiert körperlich umgesetzte Konzept dürfte beim Grazer Premierenpublikum allerdings nur bedingt angekommen sein: Der Schlussapplaus fiel, gemessen an den üblichen Reaktionen auf eine neue TiB-Produktion, diesmal verhältnismäßig verhalten aus.

(S E R V I C E -“Lass los den alten Scheiß! - Mediationen über Bewegung und Comedy“ mit Juliette Eröd, Gabriela Hiti, Eva Hofer, Monika Klengel, Regie: Robert Steijn, Ausstattung: Heike Barnard; Musik und Klang: Frans Poelstra. Weitere Vorstellungen: 02./03 /04./15./16./17./18.Februar 2018, Uhrzeit jeweils 20.00 Uhr im Kristallwerk, Viktor-Franz-Straße 9, 8051 Graz, Karten: ticket@theater-im-bahnhof.com)


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