Niki, Forstinger, Wienwert, Svoboda - Häufung von Großpleiten

Wien (APA) - Eine Serie von Großpleiten hat die Insolvenzgerichte schon in den letzten Wochen des alten Jahres beschäftigt. In den ersten Wo...

Wien (APA) - Eine Serie von Großpleiten hat die Insolvenzgerichte schon in den letzten Wochen des alten Jahres beschäftigt. In den ersten Wochen 2018 kam es noch dicker. Einige Fälle kamen nicht ganz überraschend: So der Konkurs der in den Abwärtssog der einstigen Mutter Air Berlin geratenen österreichischen Fluglinie Niki. Oder der Anlegerfall um die Wienwert, deren Holding schon lang im Behördenvisier war.

Bei der zahlungsunfähigen Wiener Immo-Firma WW Holding - Mutter der Wienwert AG - sind von der heute Donnerstag (1. Februar) beantragten Insolvenz, einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, vor allem 900 Anleihegläubiger betroffen. Seit drei Monaten liegt beim Linzer Konkursgericht ebenfalls eine Anlegercausa: der Pleitefall der Imperial/Cordial-Gruppe mit mehr als 20.000 betroffenen Anlegern.

Einigen österreichischen Traditionsunternehmen ging, ausgerechnet bei anziehender Konjunktur, mit immer schärferer Konkurrenz doch die Luft aus oder es gingen interne Umstrukturierungen schief.

Gleich zwei bekannte Firmen in Niederösterreich, der Büromöbelhersteller Svoboda sowie die Autozubehörkette Forstinger, traten gestern (31. Jänner) den Gang zum Insolvenzgericht an, um Altschulden abzuschütteln und sich neu aufzustellen. Forstinger hatte dies schon mehrfach (zuletzt 2001) hinter sich gebracht. Nun hofft man, im Sanierungsverfahren 700 der mehr als 800 Jobs in die Fortführung hinüberzuretten. Eine Großpleite im Autozubehörgeschäft hat Mitte Dezember davor schon der große oberösterreichische Reifenhändler und Werkstättenbetreiber Bruckmüller hingelegt. Die Büromöbelfirma Svoboda hat umfangreiche Sanierungspläne eingereicht und will im Markt bleiben.

Im S-Frühwarnsystem zur Kündigung angemeldet wurden im Jänner fast 1.000 Beschäftigte der insolventen Niki Luftfahrt. Niki - mit 153 Mio. Euro Schulden bisher größte Pleite im jungen Jahr 2018 - war der ungewöhnlichste Fall der vergangenen Jahrzehnte: Nachdem die deutsche Mutter Air Berlin bankrott war und auch bei Niki das Geld zu Ende ging, scheiterten mehrere Anläufe zum Verkauf an Wettbewerbsbedenken oder Streitereien um den Insolvenzgerichtsstandort. Binnen eines Monats gab es drei Insolvenzanträge über Niki. Nach Konkurseröffnung am Gericht in Korneuburg am 12. Jänner wurde der Verkauf der Vermögensteile neu aufgerollt. Damit bekommt nun Airlinegründer Niki Lauda seine alte Firma zurück. Den Mitarbeitern wurden neue Jobperspektiven versprochen. Im März will Lauda wieder mehr als ein Dutzend Flieger in der Luft haben.

Eine regionale Touristenattraktion in Niederösterreich traf es heuer gleich am 3. Jänner: Da musste die Amethyst Welt in Maissau/Niederösterreich Insolvenz anmelden. Die Einrichtung litt vor allem im Herbst unter Umsatz- und Besucherschwund und soll im Insolvenzverfahren mit Eigenverwaltung neu aufgestellt und bezuschusst weitergeführt werden.

Weiter Zittern heißt es um eine andere Fremdenverkehrseinrichtung: gegen die Panhans-Holding am Semmering hat die niederösterreichische Krankenkassa Konkursantrag eingebracht, bisher ist aber keine Verfahrensentscheidung da. Nach Darstellung aus Eigentümerkreisen soll damit vor allem auf die ukrainischen Geldgeber Druck gemacht werden.

Für die meisten Mitarbeiter der insolventen oberösterreichischen Firma Wozabal kam kurz vor Weihnachten eine erleichternde Nachricht. Die Miettextilfirma ging an die Wiener Salesianer-Gruppe. Die meisten Standorte können bleiben. Einen neuen Anlauf für eine Zustimmung zum Sanierungsplan braucht indes die steirische Umwelttechnikfirma SFL, deren Sanierungsplan im Jänner nicht angenommen worden war.


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