Einzelhandel erzielte 2017 Zuwächse - Doch nicht alle profitierten

Wien (APA) - Die Pleite der Autozubehörkette Forstinger zeigt, dass der Handel auch in Hochkonjunkturphasen nicht vor Insolvenzen gefeit ist...

Wien (APA) - Die Pleite der Autozubehörkette Forstinger zeigt, dass der Handel auch in Hochkonjunkturphasen nicht vor Insolvenzen gefeit ist. „Solche Pleiten wird es immer geben. Der Einzelhandel ist hochkompetitiv und konzentriert“, sagte Handelsobmann Peter Buchmüller am Donnerstag bei der Jahrespressekonferenz in Wien.

Insgesamt gab das Jahr 2017 „Grund zu ein bisserl Freude“, meinte Buchmüller, wenngleich sich 42 Prozent von rund 4.500 befragten Einzelhandelsunternehmen im Vorjahr über Umsatzrückgänge beklagten. 40 Prozent verzeichneten ein Wachstum, beim Rest stagnierten die Erlöse. Tendenziell gehe es größeren Firmen besser als kleineren, entscheidend seien auch Branche, Standort und wie sehr der Onlinehandel dem jeweiligen Unternehmen zusetze, erläuterte Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria.

Punkto Wachstumsraten hat der Onlinehandel den stationären Handel längst abgehängt. Während die stationären Händler im Vorjahr nominelle Umsatzzuwächse von 2 Prozent (real 0,3 Prozent) erzielten, wuchs der österreichische Onlinehandel um 6 Prozent. In absoluten Zahlen relativiert sich das Bild aber wieder: Umsätze von 70,6 Mrd. Euro im klassischen Einzelhandel stehen Online-Umsätzen von 3,6 Mrd. Euro gegenüber. Die Wirtschaftskammer schätzt, dass österreichische Kunden noch einmal so viel bei ausländischen Onlinehändlern wie Amazon oder Zalando ausgeben.

Zugpferd des Einzelhandels war einmal mehr der Lebensmittelhandel, der ein Drittel des Gesamtumsatzes stellt. Die Supermärkte erzielten 2017 ein nominelles Umsatzplus von 4,1 Prozent. Zuwächse gab es auch im Schuh- und Lederwarenhandel (+3,3 Prozent), Sportartikelhandel (+2,5 Prozent), in Bau- und Heimwerkerbedarfsgeschäften (+1,5 Prozent) sowie im Bekleidungshandel (+1,4 Prozent).

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Doch nicht alle Branchen profitierten vom allgemeinen Konjunkturaufschwung. Buch- und Schreibwarengeschäften (-0,7 Prozent), Spielwarenhändlern (-1,5 Prozent) sowie Elektrohändlern (-1,9 Prozent) setzten sowohl branchenfremde Konkurrenten als auch der Onlinehandel zu. „Spielwaren gibt es auch woanders“, räumte Gittenberger ein.

Auch wenn bei steigenden Konsumausgaben nicht alles in den Einzelhandel fließe, stimmten eine sinkende Spar- sowie Arbeitslosenquote „vorsichtig optimistisch“ für 2018, sagte Gittenberger. Die Arbeitslosigkeit im Handel ist im Gesamtjahr 2017 um mehr als 5 Prozent gesunken, im Monat Jänner sogar um mehr als 9 Prozent, geht aus aktuellen S-Daten hervor.

2017 beschäftigte der Einzelhandel 332.100 Personen, um rund 2.900 mehr als im Jahr davor. Etwa 500 der neuen Jobs waren geringfügige Stellen, 1.200 Teilzeitstellen, der Rest Vollzeitjobs.

Die Preise im stationären Handel stiegen im Vorjahr im Schnitt um 1,7 Prozent und blieben damit unter der Inflationsrate von 2,1 Prozent.

Im EU-Vergleich hinkt der österreichische Einzelhandel noch immer hinterher. Während die Händler im EU-28-Durchschnitt von Jänner bis November 2017 Umsatzzuwächse von 2,6 Prozent erzielten, schafften die heimischen Händler nur 1,3 Prozent.

( 0134-18, Format 88 x 160 mm)


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