Mobbing und Gewalt: „Können leider nicht allen helfen“

Seit zehn Jahren interveniert die Schulsozialarbeit bei Mobbing- und Gewaltfällen.

© Getty Images/iStockphoto

Innsbruck — Jeder Fall sei furchtbar und sie schalte, sobald sie davon erfährt, sofort die zuständigen Beratungsstellen ein, sagt Bildungslandesrätin Beate Palfrader, angesprochen auf den Mobbingfall eines 15-jährigen Mädchens (die TT hat berichtet). „Fest steht: Wir können leider nicht allen helfen. Wichtig ist aber, dass wir es versuchen", betont sie.

Ein fester Bestandteil des engmaschigen Netzes an Beratungsstellen für Mobbing- und Gewaltfälle an Schulen ist seit mittlerweile zehn Jahren die Schulsozialarbeit Tirol (SchuSo). Palfrader hob gestern im Rahmen einer Pressekonferenz die große Bedeutung dieser Einrichtung hervor: „Schule ist nicht mehr nur ein Lern-, sondern auch ein Lebensort. Deshalb ist es wichtig, dass Beratung nicht irgendwo stattfindet, sondern direkt vor Ort." Auch Christine Baur, Landesrätin für Kinder- und Jugendsozialarbeit, ist von dem Erfolgskonzept überzeugt: „Die Schulsozialarbeit trägt zu einem konfliktfreieren und besseren Miteinander in den Bildungseinrichtungen bei."

Dass das „niederschwellige Angebot gut angenommen wird", strich auch Karin Hüttemann, Geschäftsführerin der Tiroler Kinder und Jugend GmbH, hervor. „Die Zahlen beweisen es." Anfangs als Pilotprojekt gestartet, betreuen die Sozialarbeiter inzwischen von Montag bis Freitag 32 Bildungseinrichtungen, der Großteil davon Neue Mittelschulen. 29 Sozialarbeiter haben im Schuljahr 2016/17 insgesamt 7336 persönliche Beratungsstunden sowie 1111 präventive oder intervenierende Unterrichtsstunden angeboten. Auf 300 Schüler kommt je ein Sozialarbeiter. Es wurden hauptsächlich Mobbing, familiäre Probleme sowie häusliche und sexuelle Gewalt angesprochen.

Die Schulsozialarbeit werde auch als Entlastung für die Lehrer und Pädagogen gesehen und verstanden, sagt Philipp Bechter, Fachbereichsleiter der SchuSo. Zwar könne man die Erfolgsquote nicht mit einem Prozentsatz ausdrücken, aber „an jedem unserer Standorte bekommen wir die Rückmeldung, dass sich das Schulklima merklich verbessert hat". Alle Verantwortlichen sind sich einig, dass das Projekt in Zukunft noch auf andere Schulen ausgeweitet werden soll. (bfk)

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch


Kommentieren


Schlagworte