Mehr Großpleiten, Lösung für Forstinger-Kunden

Kunden der Autozubehör-Kette Forstinger können ihre Guthaben doch einlösen. In Niederösterreich und Wien häuften sich zuletzt die Großpleiten.

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Wien — Österreichs Wirtschaft brummt. Alle Indikatoren zeigen auf starkes und nachhaltiges Wachstum.Trotzdem gab es in den vergangenen Monaten — hauptsächlich in Niederösterreich und Wien — etliche Großpleiten. Das hat für Gläubigerschützer mit dem typischen „völlig antizyklischen" Insolvenzgeschehen zu tun. Und irgendwie mit Zufall — auch dass die größeren Brocken derzeit eben in Wien und Niederösterreich liegen.

Unter anderem meldete am Dienstag die niederösterreichsiche Autozubehör-Kette Forstinger Insolvenz an. Während die Gläubiger nun um ihr Geld bangen, gibt es zumindest gute Nachrichten für Kunden, die Gutscheine, Forstinger-Gutscheinkarten und Gutschriften aus der Rückvergütung besitzen. Diese werden zu 100 Prozent — ab einem Einkauf zum dreifachen Wert — eingelöst, erklärte Insolvenzverwalter Volker Leitner am Donnerstag gegenüber der Tageszeitung Kurier. Aus organisatorischen Gründen sei eine Einlösung laut Leitner aber nur in den stationären Filialen möglich.

Der Autozubehör-Händler hofft in einem Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung 700 der mehr als 800 Jobs in die Fortführung hinüberretten zu können. Ob dies gelingt, stellen Branchen-Experten allerdings in Frage. Neben dem angestaubten Flair vieler Forstinger-Filialen und einem immer weniger nachgefragten Sortiment ist der stationäre Handel mit Kfz-Ersatzteilen und Autozubehör generell durch den Online-Handel stark unter Druck geraten.

Ein solches Sanierungsverfahren versucht auch der Büromöbelhersteller Svoboda, der ebenfalls am Dienstag Insolvenz angemeldet hat. Die Firma gibt als Hauptursachen für die Zahlungsschwierigkeiten das schwierige Marktumfeld und Altlasten an.

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Als „gute Signale in gegebenen traurigen Verhältnissen", wie es Insolvenzen nun einmal sind, wertet es KSV-Experte Alexander Klikovits, dass gerade bei Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung davon ausgegangen werden könne, dass rechtzeitig die Reißleine gezogen wurde. Betroffene Firmen schafften so möglichst früh eine Basis für eine Bereinigung ihrer Schieflage. „Da herrscht dann augenblicklich Ruhe für Unternehmer, die bis dahin auf vielen Fronten zu kämpfen hatten", so Klikovits.

Dass es mit dem 153-Mio.-Euro-Konkurs der Fluglinie Niki, der 40-Mio.-Euro-Pleite der Wienwert und der Insolvenz zweier großer Tourismusbetriebe eine Häufung von Großpleiten in Niederösterreich und Wien gibt, hat für Klikovits mehr mit Zufall zu tun. Als großer Wirtschaftsstandort sehen Gläubigerschützer eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es „dort auch wieder einmal größere Ausfälle gibt". (APA, TT, hu)


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