Im Beisl tagt das Weltgericht: Neuer Roman von Christian Mähr

Bregenz (APA) - Der Vorarlberger Autor Christian Mähr („Alles Fleisch ist Gras“) hat sich mit skurrilen, morbiden Geschichten und Figuren ei...

Bregenz (APA) - Der Vorarlberger Autor Christian Mähr („Alles Fleisch ist Gras“) hat sich mit skurrilen, morbiden Geschichten und Figuren einen Namen gemacht. Sein neuestes Werk „Der Jüngste Tag des Peter Gottlieb“ ist keine Ausnahme. Wie schon in „Tod auf der Tageskarte“ ist auch diesmal ein Gasthaus zentral für die Handlung, es wird Schauplatz des Jüngsten Gerichts. Der Roman wird heute in Bregenz präsentiert.

Peter Gottlieb, pensionierter Buchhändler, hat in der Landgemeinde Holzgarten das ehemalige Gasthaus „Lamm“ geerbt. Auf dem Weg dorthin fährt er einen Mann an, der dem Unfallhergang nach eigentlich tot sein müsste. Doch der Hildmeyer klopft sich nur den Staub aus den Kleidern - er bleibt nicht der einzige Auferstandene in Mährs herrlich absurder Geschichte. Gemeinsam mit Landpolizist Stieger versucht Gottlieb, der Sache auf den Grund zu gehen. Seine besorgte Ex-Frau engagiert einen Arzt und Juristen mit dem teuflischen Doppelnamen Kategoros-Korowjew, der unverzüglich nach Holzgarten reist.

Der Student Liri, Gottliebs Jugendliebe Renate, der Buchhändler Galmei, der Fischer Talsmann, der Mechaniker Gehriger - Mährs skurriles Personal, tot oder lebendig, findet nach und nach im „Lamm“ zusammen. Als dann auch noch der „Vorsitzende“ in goldenen Schlapfen über den See spaziert, kann es losgehen mit dem Jüngsten Gericht. Während im Saal ganz ohne Engelschöre und Posaunen über das Schicksal der Menschheit verhandelt wird, kocht Peter Gottlieb für alle Kaffee und Dosengulasch. Gemordet wird im Laufe der Geschichte übrigens reichlich. Aber wen sollte das stören, wenn das Auferstehen doch so leicht ist?

Mähr überzeugt in seiner durchdachten Geschichte mit witzigen Bibelanspielungen und amüsanten Dialogen. So wird etwa Wein von der Hochzeit zu Kana, der im „Lamm“ aus dem Wasserhahn läuft, verkostet und önologisch bewertet. Viele Szenen wirken wie für eine Verfilmung geschrieben. Dass hier ein Naturwissenschafter am Werk ist - Mähr ist gelernter Chemiker und ehemaliger Wissenschaftsjournalist - merkt man dem Buch an. Aufwendig werden naturwissenschaftlich plausible Erklärungen konstruiert für die seltsamen Vorgänge in Holzgarten. „Es lässt sich alles wegerklären“, denkt sich Peter Gottlieb einmal. Denn mit dem Glauben tun sich die Menschen eben nicht nur in Holzgarten schwer.

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Der Autor legt mehrere Parallelwelten an, die sich gelegentlich kurz treffen und überlagern, was dem Leser einiges an Konzentration abverlangt. Während in einer Welt etwa das Gasthaus abbrennt, als der Teufel im Keller den ultramodernen Holzvergaser anwirft („Mit Feuer kenn ich mich aus!“), bleibt das „Lamm“ in einer anderen unversehrt. So verschwimmen bald die Grenzen: Was ist Realität, was ist die Wahrheit? Und es bleibt die Frage: Würden wir es überhaupt bemerken, wenn der Jüngste Tag gekommen wäre - oder sind wir gar schon mittendrin?

(S E R V I C E - Christian Mähr: „Der Jüngste Tag des Peter Gottlieb“, Braumüller Verlag, 362 Seiten, 24 Euro; Buchpräsentation heute, Donnerstag, um 19 Uhr in der Buchhandlung Brunner, Bregenz, Rathausstraße 2)


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