Vier Varianten fürs Sonnwendjoch

Schweizer Seilbahn-Experten präsentierten nach eingehenden Prüfungen künftige Aufstiegshilfen. Auftraggeber war der Verein „Naturjuwel Rofan“, der auch ein weiteres Projekt im Visier hat.

Zur Projektpräsentation in Sachen Kramsacher Lift waren Vereinsmitglieder und der Kramsacher Gemeinderat geladen.
© Zwicknagl

Von Walter Zwicknagl

Kramsach –Das Rätselraten um die Kosten für Liftvarianten zum Sonnwendjoch hat vorerst ein Ende. Denn das Schweizer Seilbahnunternehmen Bartholet aus Flums befasste sich in den vergangenen Monaten intensiv mit der künftigen Erschließung des Rofangebietes von Kramsach aus und legte nun Zahlen auf den Tisch. Der Verein „Naturjuwel Rofan“ unter Obmann Sepp Kreidl hatte die Initialzündung dazu gegeben.

„Spricht man von einer Einsesselbahn im bisherigen Ausmaß mit einer Förderleistung von 400 Personen, fallen Kosten in der Höhe von rund 5,3 Millionen Euro an“, sagte Placi Wenzin, der technische Leiter der Schweizer Firma. Während in der Sektion eins mit einer Fahrzeit von 20 Minuten zu rechnen sei, sitze man in der Sektion zwei 18 Minuten auf dem Liftsessel, war zu erfahren. Bei 1,5 Metern pro Sekunde liege da die Fördergeschwindigkeit.

Mit 4,8 Millionen Euro bezifferte er die Kosten eines Zweiersesselliftes. „Die niedrigeren Kosten ergeben sich aus der reduzierten Anzahl von Liftsesseln. Statt 520 sind es 260 Sessel“, stellte der Experte fest. Die Variante drei – ein Doppelsessellift neu, mit dem pro Stunde 800 Personen befördert werden könnten – koste 6,95 Millionen Euro. Einen großen Kostensprung würde eine Einseil-Umlaufbahn mit einer Förderkapazität von 2000 Personen bringen. Dafür werde ein Aufwand in der Höhe zwischen 17,5 und 19 Millionen Euro nötig sein.

Die gute Nachricht aus der Sicht von Placi Wenzin und Projektleiter Hassan Hofer, einem Südtiroler: Die Liftstützen der Anlage, die vor 50 Jahren gebaut wurden, könnten bei Variante eins und zwei fortbestehen. „Will man eine Gondelbahn oder eine völlig neue Doppelsesselbahn, braucht es eine ganz neue Betriebsanlage“, bekräftigte Hassan Hofer auf TT-Anfrage. „Jetzt wissen wir, in welchem Kostenrahmen wir uns bewegen“, meinte Sepp Kreidl. Die Machbarkeitsstudie wurde aus Beiträgen von 50 Mitgliedern des Vereins, dem auch die Gemeinde Kramsach angehört, finanziert. Je 2500 Euro mussten eingezahlt werden, um dabei zu sein.

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Hassan Hofer (links) und Placi Wenzin von der Schweizer Firma Bartholet mit Vereinsobmann Sepp Kreidl (Mitte) beim Vortrag.
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Wie es um die Wirtschaftlichkeit bestellt sei, wollte Jörg Wallner vom ÖAV wissen. „In zwei bis drei Wochen wissen wir mehr“, sagte Kreidl, der auch von einem Projekt am Berg sprach. Dieses werde zur Leaderförderung bei der Landesregierung eingereicht. „Über eine Wirtschaftlichkeitsrechnung und Finanzierungsmöglichkeiten wird dann geredet. Ich bin aber optimistisch, dass 2019 mit dem Bau einer Aufstiegshilfe zum Sonnwendjoch begonnen werden kann“, betonte der Vereinsobmann. Wenn im Alp­bachtal von einem Skijuwel geredet werde, könne man auf der anderen Talseite von einem Naturjuwel reden, hieß es bei der Projektvorstellung.

Apropos Projektvorstellung: Eine solche habe es schon bei der Dezembersitzung des Gemeinderates im Jahr 2016 gegeben, meldete sich Gemeinderat und Strabag-Chef Manfred Lechner zu Wort. „Da sind wir bei den Kosten für eine moderne Bahn gar nicht weit auseinander gewesen. Ich habe von Kosten in der Größenordnung von 16 bis 18 Millionen gesprochen“, betont der Gemeinderat von der Bürgermeisterliste. „Ich stelle aber eindeutig klar, dass ich nicht gegen die vorgestellten Projekte bin. Selbst eine kleine Variante ist besser als nichts. Der große Wurf wäre das aber nicht“, sagte er gestern der TT. Begeistert von der Initiative zeigte sich hingegen Ossi Stock, der unmittelbar neben der Talstation seinen Betrieb führt, der auf viele Sportaktivitäten ausgerichtet ist.

„Falls ein großes Projekt nicht zu stemmen ist, müssen wir kleinere Brötchen backen“, unterstrich BM Bernhard Zisterer nach der Präsentation. Dass etwas geschehen muss, sei klar. Denn schon vor drei Jahren wurde der Liftbetrieb eingestellt. „Ein Liftbetrieb ist nicht nur im ureigenen Interesse der Kramsacher, sondern auch vieler Naturliebhaber weit darüber hinaus. Es braucht in dieser Sache alle Gemeinden des Planungsverbandes“, sagt Kreidl. Für ihn ist auch eine Kombination von Sessel und Gondel denkbar.


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