Grasser-Prozess - Splitter: „Wir haben eh noch Fasching“

Wien (APA) - Achtung Sturzgefahr: Was die Verteidigung bisher nicht schaffte, hätte heute beinahe die Physik erledigt - nämlich die Änderung...

Wien (APA) - Achtung Sturzgefahr: Was die Verteidigung bisher nicht schaffte, hätte heute beinahe die Physik erledigt - nämlich die Änderung der Sitzordnung. Als Petrikovics-Verteidiger Otto Dietrich zur Befragung seines Mandanten Platz nahm, rollte der Drehstuhl des Verteidigers nach hinten über eine Kante und brachte das große Fernsehgerät fast zu Fall. Die davor sitzenden Angeklagten, Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und Makler Ernst Plech, mussten eingreifen und das Gerät festhalten. Womit auch die etwas verschlafene Stimmung im Großen Schwurgerichtssaal ein Ende hatte.

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Einfach sprachlos: Mangelndes Selbstbewusstsein kann man dem fünftangeklagten Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics zwar nicht nachsagen, aber auch er kann einmal sprachlos sein, wie er vor Richterin Marion Hohenecker betonte. Als ihm angeblich die Staatsanwaltschaft einen Deal angeboten habe, hätten er und seine Anwälte, Professor Wolfgang Brandstetter (der später Justizminister für die ÖVP wurde, Anm.) und Otto Dietrich, „mit betretenen Schweigen“ reagiert.

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Petrikovcs im Fasching: Ein Gerichtsgutachten, das bisher noch nicht präsentiert wurde, schlägt sich offensichtlich auf die humorige Ader von Petrikovcs. Dieses sei ein „Faschingsscherz“, „aber wir haben eh noch Fasching“, so der Manager, der derzeit eine sechsjährige Haftstrafe aus einer anderen Untreue-Causa absitzt.

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Stille Wasser: Karl-Heinz Grasser, sein Anwalt Manfred Ainedter und die Erstschöffin haben zumindest die gleiche Vorliebe bei Getränken: „Römerquelle Still“. Petrikovics wiederum setzt bei seiner Einvernahme auf „Coca Cola“, der einzige Teilgeständige, Peter Hochegger, wiederum vertraut seinen Flüssigkeitshaushalt dem Getränk „innocent“ an. Grasser wurde aber auch schon mehrmals beim Griff zur Red Bull-Dose beobachtet.

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Petrikovics als Zeitungsmuffel: Oberstaatsanwalt Gerald Denk will nicht glauben, dass Petrikovics die mediale Berichterstattung über ein Netzwerk Grasser-Meischberger-Hochegger nicht mitbekommen hat. Denk legt zahlreiche Zeitungs- und Magazinartikel vor, die Petrikovics allesamt nicht gekannt haben will. Denk will daraufhin wissen, ob er weiß, wer damals Bundeskanzler und Finanzminister war. Petrikovics bestätigt dies, was ihm die Frage einbringt: Und woher wissen Sie das? Replik: Aus der „Zeit im Bild“.

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Was fehlt: Die beste Meinung vom heimischen Journalismus hat Petrikovics eher nicht, trotzdem würde er sich zumindest in einem Bereich mehr Nachrichten wünschen: Leider nehme der Wirtschaftsteil in den Zeitungen „viel zu wenig“ Platz ein.

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Grasser supermachtlos: Ob das auch Grasser so sieht? Laut Petrikovics beschränkte sich dessen Rolle als Minister darauf, Fachentscheidungen der Beamten politisch zu verkaufen. Denn wirklich wichtige Entscheidungen würden im Ministerrat fallen.

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