Wer aus dem Haus geht, kann länger dort bleiben

Innsbruck, Zirl – Die Tagespflege ist das jüngste Angebot in der Pflege älterer Menschen und wird von den Gesundheits- und Sozialsprengeln h...

© Thomas Boehm / TT

Innsbruck, Zirl –Die Tagespflege ist das jüngste Angebot in der Pflege älterer Menschen und wird von den Gesundheits- und Sozialsprengeln häufig in Zusammenarbeit mit den Wohn- und Pflegeheimen durchgeführt, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Die aktive Zusammenarbeit mit allen Systempartnern, darunter auch Anbieter von mobilen Pflegediensten, Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Apotheken, muss gewährleistet sein.

Robert Kaufmann, Obmann der Arge Tiroler Altenheime und Leiter des Seniorenzentrums s’Zenzi in Zirl, spricht von einer weiteren wichtigen Säule im ambulanten Bereich zusätzlich zur Hauskrankenpflege und zur Heimhilfe, bei der es vor allem um die Unterstützung im Haushalt geht. „Ursprünglicher Gedanke war, die pflegenden Angehörigen für einen Tag zu entlasten, sie können in der Zwischenzeit wieder Kraft tanken.“

Ein weiterer durchaus beabsichtigter Effekt, der sich auch immer mehr bestätigt: Wer öfters aus dem Haus kommt, kann letztlich länger dort bleiben. Ein Tag gemeinsam mit anderen fördert nicht nur die Lebenslust. Durch gezielte Übungen beim Hirntraining, durch Singen, Basteln oder Spaziergänge bleiben Betroffene auch länger aktiv.

Das spart hohe Kosten, die Unterbringung in einem Heim – die teuerste Variante der Pflege – soll so lange wie möglich hinausgezögert werden. Die insgesamt 88 Tiroler Heime mit insgesamt 6200 Bewohnern sind außerdem meistens ausgelastet.

jobs.tt.com: Suchen und gefunden werden

Laden Sie Ihren Lebenslauf auf jobs.tt.com hoch und werden Sie von Top-Arbeitgebern aus Tirol gefunden.

Kaufmann: „Welche Pflegeform nötig ist, wird aber immer individuell entschieden, und da muss auch die Situation der Angehörigen berücksichtigt werden.“ Weitere Angebote, die es ermöglichen sollen, länger zu Hause zu bleiben, sind die Hauskranken- oder die Kurzzeitpflege, etwa wenn die pflegenden Familienmitglieder auf Urlaub fahren. Im Gegensatz zur Tagespflege, die um 9 Uhr beginnt und nach dem Abendessen endet, können die Pflegebedürftigen dabei 24 Stunden im Heim bleiben – bis zu 28 Tage im Jahr.

Im Sozialzentrum Zirl wird die Tagespflege seit dem Frühjahr 2017 angeboten, dreimal in der Woche. Steigt das Interesse, kann es weiter ausgebaut werden. Ein Tag kostet etwa 90 Euro, das Angebot ist gefördert. Betroffenen wird eine einkommensabhängige Förderung von bis zu 70 Prozent gewährt. Gleichzeitig werden die sonst für Hauskrankenpflege und Essen auf Rädern anfallenden Kosten gespart, denn zur Tagespflege gehört auch ein gemeinsames Mittag- und Abendessen. Wer sich das Angebot unverbindlich ansehen will, kann sich für einen Schnuppertag anmelden. (ms)


Kommentieren


Schlagworte