Vatikanische Justiz prüft zwei Missbrauchsfälle

Vatikanstadt (APA) - Die vatikanische Justiz prüft zwei Fälle von Missbrauch an Jugendlichen. Die Ermittlungen befänden sich in der Anfangsp...

Vatikanstadt (APA) - Die vatikanische Justiz prüft zwei Fälle von Missbrauch an Jugendlichen. Die Ermittlungen befänden sich in der Anfangsphase und würden aus Respekt für die Betroffenen in größter Verschwiegenheit geführt, so der vatikanische Staatsanwalt Gian Piero Milano bei der Vorstellung des Jahresberichts der vatikanischen Justiz am Samstag im Vatikan.

Medien in Italien vermuten, dass dies im Zusammenhang mit im November eingeleiteten Ermittlungen des Vatikans nach Berichten über homosexuelle Handlungen in einem Jugendseminar steht. Hintergrund ist ein Anfang November erschienenes Buch des italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi über Verfehlungen in der römisch-katholischen Kirche.

In dem Buch mit dem Titel „Peccato originale“ (Erbsünde) schreibt Nuzzi unter anderem, ein früherer Seminarist und heutiger Priester hätte in dem Präseminar St. Pius X. einen Priester beim Oralsex mit einem minderjährigen Mitbewohner gesehen. In dem im Vatikan gelegenen Seminar werden Buben im Alter von elf bis 14 Jahren auf eine mögliche spätere Ausbildung als Priester vorbereitet.

In seinem vom Verlag „Chiarelettere“ veröffentlichten Buch befasst sich Nuzzi mit mehreren noch offenen Rätseln im Vatikan. 2012 hatte er mit der Publikation vertraulicher Dokumente aus der Kurie den ersten sogenannten „Vatileaks“-Skandal ausgelöst. Im Herbst 2015 veröffentlichte er ein Buch über Geldverschwendung in der Kurie. Dafür wurden er und sein Kollege Emiliano Fittipaldi, der zeitgleich ein Buch zum selben Thema herausbrachte, im Vatikan vor Gericht gestellt, aber freigesprochen.


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