Ski alpin: Siegeshunger lässt Vonn Männer-Frust vergessen

Garmisch-Partenkirchen (APA) - Ein Lindsey-Vonn-Interview im „Münchner Merkur“ hat im Ski-Zirkus für viel Aufsehen gesorgt. „Jeder Journalis...

Garmisch-Partenkirchen (APA) - Ein Lindsey-Vonn-Interview im „Münchner Merkur“ hat im Ski-Zirkus für viel Aufsehen gesorgt. „Jeder Journalist hat mich über diese Geschichte gefragt“, verriet Vonn nach ihrem Garmisch-Sieg. Sie hatte darin etwa erzählt, dass sie derzeit nicht an die Gründung einer Familie denke und sowieso erst einen Mann brauche. „Ich brauche einen Mann, sicher. Aber ich brauche eine Medaille mehr“, sagte sie.

Der Traum vom Gewinn einer weiteren Olympia-Goldenen treibt die US-Amerikanerin an. 2010 hatte sich Vonn bereits in Vancouver Abfahrtsgold geschnappt. Die Piste in Jeongseon, wo die Alpin-Damen um Medaillen in Abfahrt und Super-G fahre, habe sie ständig im Kopf. „Jeden Tag, wenn ich schlafen gehe, gehe ich mindestens einen Lauf in Gedanken durch“, erklärte Vonn. „Das war auch vor Vancouver so. Ich war bereit für die Spiele damals, und jetzt bin ich bereit für Südkorea.“

Sie freue sich, dass sie mit der Italienerin Sofia Goggia, die am Samstag in der Abfahrt 0,02 Sekunden hinter ihr blieb, derzeit eine Gegnerin habe, die sie zu Bestleistungen antreibt. „Ich weiß, wenn sie am Start steht, wird sie mit immer 110 Prozent fahren. Entweder gewinnen oder ausscheiden - das ist ganz genau so wie bei mir. Das pusht mich, weil ich weiß, wenn sie im Ziel ist und die schnellste Zeit hat, muss ich alles geben, um sie zu schlagen.“

Der Speed-Zweikampf mit der 25-Jährigen erinnere sie an die Rivalität mit der Deutschen Maria Höfl-Riesch vor einigen Jahren. „Das habe ich auch immer mit Maria gehabt. Egal wer gewinnt, im Ziel können wir uns gratulieren, weil wir sehr viel Respekt voreinander haben. Maria und ich waren sicher gute Freundinnen, das ist fast genauso jetzt wie mit Sofia“, meinte Vonn.

Einen Dank richtete sie dem Team des ORF-Fernsehens aus. Ihren Trainingslauf am Vormittag bekam sie nämlich während der Übertragung auf ORF eins zu sehen - für sie laut eigener Aussage die einzige Möglichkeit für eine kurze Analyse. „Das war sicher gut, dass mir die ORF-Kollegen meinen Lauf gezeigt haben, weil sonst hätten wir keine Zeit gehabt zu analysieren. Das hat geholfen.“

Die Kandahar-Strecke liege ihr gar nicht besonders. „Das ist schon fast die schwierigste Strecke für mich“, sagte sie. „Es ist sehr dunkel, sehr unruhig. Die Kurven gehen sehr auf mein schlechtes rechtes Knie, das ist auch nicht optimal. Oben ist es sehr flach, und ich bin keine gute Gleiterin. Aber trotzdem weiß ich genau, wo ich die Linie treffen muss, damit ich Geschwindigkeit mitnehme bis zum Ziel.“

Am Mittwoch hebt Vonn Richtung Südkorea ab. Nach der zweiten Garmisch-Abfahrt am Sonntag würde es sich für die Amerikanerin theoretisch ausgehen, die Super Bowl LII im Fernsehen zu verfolgen. Sie werde davon jedoch Abstand nehmen, auch wenn das NFL-Endspiel quasi einen Steinwurf von ihrer Geburtsstadt St. Paul in Minnesota stattfindet.

„Ich habe das überlegt. Ich habe schon öfter hier in der US-Militärbasis zugeschaut. Aber es beginnt erst um Mitternacht. Das ist zu spät. Ich bin zu alt und muss ins Bett“, betonte Vonn. „Ich muss auch an die Vorbereitung für Südkorea denken. Ich kann in der Früh auch das Resultat nachlesen.“


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