Italiens Innenminister fürchtet nach Anschlag Nachahmungstäter

Ein italienischer Rechtsextremer hatte am Samstag in Macerata, der Provinzhauptstadt der Region Marken, aus einem fahrenden Auto geschossen und sechs Afrikaner verletzt.

Der Täter wurde verhaftet.
© Reuters

Rom – Italiens Innenminister Marco Minniti, der die Schüsse auf Afrikaner in der Stadt Macerata als von „Rassenhass“ motivierte Tat verurteilt hat, befürchtet Nachahmungstäter. In der letzten Phase des Wahlkampfes für die Parlamentswahlen am 4. März versprach Minniti strenge Sicherheitsvorkehrungen.

„Uns steht ein weiterer Monat Wahlkampf bevor. Die Gefahr, dass Hass zu neuer Gewalt führt, ist äußerst groß“, sagte Minniti laut der Mailänder Tageszeitung Corriere della Sera (Sonntagsausgabe). Er appellierte an die Parteien, die Wahlkampftöne zu dämpfen. Das Thema Migration ist zurzeit ein zentrales Thema der Wahlkampagne.

Regierungschef Paolo Gentiloni warnte vor einer „Gewaltspirale“. „Hass und Gewalt werden es nicht schaffen, uns auseinanderzutreiben“, sagte der Premier am Samstag in Rom. Er rief die Parteien zu „Verantwortungsbewusstsein“ und zum Verzicht auf gewalttätige Wahlkampfpropaganda auf.

Schütze gab wahllos Schüsse auf Migranten ab

Die Schüsse waren am Samstagvormittag an verschiedenen Orten in der Provinzhauptstadt in der Adria-Region Marken gefallen. Sechs Personen wurden verletzt. Ein afrikanischer Migrant wurde schwer verletzt und musste operiert werden. Der Täter, ein 28-jähriger Italiener mit Verbindungen zu rechtsextremistischen Kreisen, habe eine „Borderline“-Persönlichkeit, berichtete ein Freund des Mannes laut Medienangaben.

Der Schütze sei in einem Auto durch die Stadt gefahren und habe aus dem Fenster an verschiedenen Orten auf Migranten Schüsse abgegeben, teilte die Polizei mit, die den Täter festnahm. Die Glock-Pistole, mit der er geschossen hatte und für die der Täter eine Waffenlizenz hatte, wurde konfisziert. Laut italienischen Medienberichten wurde der 28-jährige Tatverdächtige festgenommen, nachdem er sich in eine italienische Nationalflagge gehüllt und mit faschistischem Gruß gezeigt hatte.

Ex-Premier Silvio Berlusconi meinte, die Schussattacke in Macerata sei die Tat eines psychisch gestörten Menschen und habe keine politische Motivation. Nach dem Fall müsse man sich jedoch ernsthaft mit dem Problem der Sicherheit in den Städten auseinandersetzen, sagte Berlusconi.

Hass gegen Ausländer als Motiv

Der Bischof von Macerata, Nazzareno Marconi, verurteilte die mutmaßliche rassistische Attacke. Er warnte vor „verzerrten politischen Visionen“, die Rassismus propagieren. Solidarisch mit dem Schützen erklärte sich die rechtsextreme Gruppierung Forza Nuova. „Der Staat denkt an die Migranten, nicht an die Italiener“, betonte ein Sprecher der Partei

Auslöser der Schießerei war mutmaßlich Rache oder Hass gegen Einwanderer. Erst kurz zuvor war in der Gegend eine 18-jährige Italienerin ermordet wurden; Täter soll ein Nigerianer sein. In der Wohnung des Nigerianers wurden die blutbeschmierten Kleider der jungen Frau und ein Beil gefunden, mit dem der Täter die Leiche zerstückelt haben soll. Der Nigerianer bestritt die Vorwürfe. Er befindet sich in der selben Strafanstalt in Montacuto bei Macerata in Haft, in der auch der Schütze inhaftiert wurde. (APA)


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