Hirscher greift bei Olympia ein: „Ich habe nur mehr drei Chancen“

Vor seinem ersten Auftritt in der Olympia-Kombination am Mittwoch (3.30/7 Uhr, live TT.com) trat Ski-Star Marcel Hirscher (28) routiniert vor die Presse. Für den Salzburger werden es definitiv die letzten Winterspiele sein.

Wenn Marcel Hirscher ruft, kommt die Medienschar angeflogen: Der Medienauftritt des Salzburger Ski-Stars soll nur ein Vorgeschmack auf das sein, was nach den Erfolgen noch kommt.
© gepa

Von Florian Madl

Pyeongchang – Wenn Marcel Hirscher zu einem Medientermin erscheint, ist es so, als würde man in einem burgenländischen Weinbaugebiet gefräßige Stare mit einem Schreckschuss aufscheuchen. Alles gerät in Bewegung, wenn die personifizierte Medaillenhoffnung auftritt.

Der 28-Jährige selbst nahm gestern vor knapp 100 Leuten den Hype um seine Person mit Humor: „Ich hab’ eine amerikanische Studie gelesen, wonach ich drei Goldmedaillen holen würde. Damit wäre der Druck selbst nach dem Sieg in der Kombi nicht geringer“, meinte der Salzburger auf Nachfrage vor seinem ersten Olympia-Auftritt in der morgigen Kombination (3.30 Abfahrt/7 Uhr Slalom, live ORF eins). Damit war der Sportler des Jahres schon beim Thema: ein wenig über Chancen im ersten Olympia-Bewerb („gering“), die Kombi-Abfahrt („schwierig“), den Wind („unberechenbar“) und die Konkurrenten (Pinturault, Muffat-Jeandet/beide FRA, Schwarz/AUT) philosophieren. Im Training hatte der Annaberger noch kein „Messer zwischen den Zähnen“, wie er es ausdrückte. Aber der Kombi-Weltmeister 2015 wäre nicht der Olympia-Mitfavorit 2018, wenn er sich keine Chancen ausrechnen würde: „Natürlich habe ich die! Aber ich denke trotzdem jeden Tag darüber nach, ob es Sinn macht, dass ich starte.“

Die einfache Rechnung: Schafft er es in der Abfahrt in die Top 30, würde er vielleicht sogar als 30. gewertet werden, hätte er für den nicht allzu einfachen Kombi-Slalom eine der ersten (oder sogar die erste) Startnummer. Aber die Abfahrt bleibt der Schlüssel: Kitzbühel wird Marcel Hirscher zeit seiner beeindruckenden Karriere nicht mehr gewinnen, sein erstes Antreten mit den langen Latten erfordert in Pyeongchang „Intuition und Vertrauen in mein Können“.

Aus welchem Holz der Olympia-Zweite von Sotschi (2014/Slalom) geschnitzt ist, gibt das Blitzen in seinen Augen wider. Ob es Spaß mache, hier bei Olympischen Spielen zu sein, wollte ein US-amerikanischer Journalist unbedarft wissen. „Spaß? Nicht wirklich. Zum Urlaubmachen bin ich nicht in Südkorea.“ Keine Rede also davon, dass er Olympia „genießen“ wolle – Sätze wie diese hört man oftmals dieser Tage.

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Und noch etwas weist darauf hin, dass es die Winterspiele der letzten Möglichkeiten für ihn sein werden. Es handelt sich buchstäblich um die letzten, an denen Marcel Hirscher teilzunehmen gedenkt. Denn 2022 in Peking wird kein Hirscher mehr am Start sein. „Ich stehe vor meinen letzten drei Chancen, Olympia-Gold zu gewinnen. Und ich weiß, dass das nicht einfach zu erreichen ist.“


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