4.000 steirische Ehrenamtliche sammeln für Caritas-Haussammlung

Graz (APA) - Krankheit, Jobverlust oder familiäre Gewalt können das Leben mit einem Schlag aus den Angeln heben. Um hier zu helfen, klopfen ...

Graz (APA) - Krankheit, Jobverlust oder familiäre Gewalt können das Leben mit einem Schlag aus den Angeln heben. Um hier zu helfen, klopfen in der Steiermark bis Ende März rund 4.000 Freiwillige der Caritas an die Haustüren, um Geldspenden für in der Steiermark in Not geratene Menschen zu sammeln. Die soziale Stimmung im Land will die Caritas Steiermark zudem mit einem „Solidaritätsbarometer“ sichtbar machen.

Im Vorjahr hat die Haussammlungsaktion der Caritas Steiermark rund 800.000 Euro erbracht. „Mit diesem Geld konnte vielen tausenden Menschen in der Steiermark geholfen werden“, sagte der steirische Caritasdirektor Herbert Beiglböck beim Auftakt zur aktuellen Sammelaktion. „Der Grundwasserspiegel der Nächstenliebe in der Steiermark liegt beachtlich hoch“, hielt Beiglböck fest. Seine Einschätzung beruht auf einer jüngst durchgeführten Umfrage. Unter dem Titel „Solidaritätsbarometer Steiermark“ wurden etwa 1.000 Personen in der Steiermark seit dem November 2017 telefonisch zu Themen wie soziales Engagement, Spendenverhalten, Einstellung zum Helfen und soziale Verantwortung befragt.

Demnach haben 90 Prozent der Befragten im Jahr 2016 zumindest einmal gespendet, rund ein Drittel war ehrenamtlich aktiv. Ebenfalls 90 Prozent gaben an, jedes Jahr in Form von Spenden oder anderen Hilfeleistungen andere Menschen zu unterstützen. „Wir können von einer hohen und andauernden Hilfs- und Spendenbereitschaft in der Steiermark sprechen“, so Florian Brugger, Soziologe an der Universität Graz. Er hat die Daten für das sogenannte erste „Solidaritätsbarometer Steiermark“ ausgewertet.

Besonders ausgeprägt sei die Solidarität in sozialen Nahverhältnissen und mit Kindern, alten und kranken Personen und Menschen mit Behinderung, die gemeinhin alle als „schuldlos schwach“ bezeichnet werden, schilderte Brugger weiters. Es habe sich auch gezeigt, dass nur wenig Befragte persönliche Gegenleistungen für ihre Hilfe erwarten. „Über 90 Prozent erwarten sich aber, dass der Empfänger die Werte der Gesellschaft teilt, sie nicht schädigt und die Gründe für die eigene Hilfsbedürftigkeit zu überwinden versucht“, führte Brugger aus.

Laut Brugger hätten bei der ersten Befragung zudem über 90 Prozent der Teilnehmer österreichischen Staatsbürgern ein Recht auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen eingeräumt. Rund 70 Prozent sprachen sich dafür aus, dass dies auch für Flüchtlinge und Ausländer gelten solle. Acht Prozent hätten aber auch angegeben, dass niemand Anspruch auf solche Leistungen haben sollte. Entgegen der These, dass Demokratien und Nationalstaaten ein Mindestmaß an Solidarität brauchen, halten weniger als die Hälfte der Befragten dies für notwendig für die Demokratie. Die Befragung soll vorerst in den kommenden vier Jahren weitergeführt werden.

„Hier wirft man Scheinwerferlicht auf den sozialen Zusammenhalt. Ich halte es für sehr wichtig, dass diese Untersuchung erstellt wurde“, betonte Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ). Sie ortete einen Bedarf, vor allem „auf die Zusammenhänge zwischen sozialen Zusammenhalt und Demokratie genauer hinzuschauen“.

Der Grazer Sozialstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) freute sich „wie viele Menschen spenden oder ehrenamtlich organisieren“. Er glaube jedoch, „dass da noch Luft nach oben drinnen ist“, so Hohensinner. Kristina Edlinger-Ploder, Vorsitzende des Caritas-Kuratoriums, bedankte sich bei den tausenden Sammlern, die im Land unterwegs sind. „Sie füllen mit Leben, was ‚Caritas‘ bedeutet: Solidarität, tätige Nächstenliebe, Aufmerksamkeit füreinander“.

~ WEB http://www.caritas.at/ ~ APA375 2018-02-14/13:37


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