Harter Winter für das Osttiroler Wild

In den Seitentälern des Bezirks erschwert der vereiste Schnee den Tieren die Freilegung der Äsung. An Wintersportler und Hundebesitzer wird appelliert, besondere Rücksicht auf das Wild zu nehmen. Es braucht derzeit viel Ruhe.

© Andreas Angermann

Von Claudia Funder

Lienz –Schon früh deckte im Herbst Schnee die Landschaft zu. Dann regnete es. In der Folge zog grimmige Kälte durch die Hochtäler. „Es kam zur flächigen Versiegelung des Bodens durch Vereisung des Schnees“, erklärt der Osttiroler Bezirksjägermeister Martin König im Gespräch mit der TT und kommt auf ein Problem zu reden, das dadurch für das heimische Wild entstanden ist. Denn die beinharte Grundschneeschicht ist von den Tieren kaum wegzuscharren. „Das Wild tut sich schwer, die Äsung freizuschlagen“, erklärt König fachmännisch.

Während im Lienzer Becken die Hänge zum Teil frei sind, ist die Lage in den Osttiroler Seitentälern prekär. Hier ist die Schneedecke geschlossen – und manch Wildtier bereits verhungert.

Auf der schwierigen Suche nach Futter wählt das Wild derzeit auch selten begangene Wege. Es sei, erzählt der Bezirksjägermeister, auf Gemeindestraßen und Loipen unterwegs, mache sich sogar bis in Ortskerne auf. Manche Tiere kommen aus Hunger bis zu den Ställen, Gärten und Häusern.

„Ich appelliere an Wintersportler und Hundebesitzer, Rücksicht auf das Wild zu nehmen. Es braucht derzeit viel Ruhe“, sagt Bezirksjägermeister Martin König.
© Funder

Um die Situation abzufedern, werde, betont König, nun auch dort gefüttert, wo man es eigentlich nicht mehr macht: „Generell wird die Rotwildfütterung ja zurückgefahren.“ Heuer geht es in den Hochtälern aber nicht anders. Im Nahbereich der Siedlungen werden nun vorwiegend Heu- und Siloballen ausgeworfen und -gelegt.

Was in harten Wintern wie diesen vor allem wichtig ist: dem Wild viel Ruhe gönnen. „Der Energiehaushalt ist gefordert“, erklärt König. „Jede Beunruhigung bedeutet zusätzlichen Stress für die Tiere.“ Er appelliert an Wintersportler und Hundebesitzer, derzeit besondere Rücksicht auf das Wild zu nehmen. Und: „Es braucht mehr Rückhalt von Seiten der Politik, gewisse Bereiche als Wild-Ruhezonen auszuweisen“, fordert König.

Es werde, erklärt er weiter, zur großen Herausforderung für die Zukunft, „eine Strategie zu entwickeln, wie man das Bejagen des Rotwildes effizient macht, um zu einer Reduktion zu kommen“. Der Eingriff sei vor allem bei weiblichen Stücken erforderlich.

Am 14./15. April wird der diesjährige Bezirksjägertag in Lienz stattfinden. Und bei der Bezirksversammlung wird ein Referat auch die aktuelle Situation thematisieren. Titel: „Rotwild im vielgenutzten Lebensraum. Warum wir sichtbares Rotwild brauchen und wie wir es richtig bejagen“.

Was die Schälschäden in den heimischen Wäldern betrifft: Man hofft, sie werden sich in Grenzen halten. Wie groß die Auswirkungen des strengen Winters für das Wild auf den Forst sind, wird man erst im Frühjahr sehen.


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