2017 brachte starken Rückgang bei Gebäudesanierungen

Niedrige Energiepreise ließen das Volumen bei Gebäudesanierungen zuletzt sinken. Bauinnung fordert bessere Möglichkeiten für Abschreibung.

(Symbolbild)
© bauinnung

Innsbruck –Der Wohnungsneubau in Österreich boomt, doch die Sanierung von Gebäuden stagniert. Den Grund dafür sieht das Beratungsunternehmen Kreutzer, Fischer & Partner im Facharbeitermangel und den niederen Energiepreisen. Und auch Förderungen wie der „Sanierungsscheck“ könnten daran nur wenig ändern, denn Umfragen zufolge hätten 90 Prozent auch ohne Förderung saniert, meint Andreas Kreutzer.

Eine Ausage, die Wohnbau-Landesrat Johannes Tratter für Tirol so nicht gelten lässt: „Wir können auf eine ausgesprochen erfolgreich verlaufende Sanierungsoffensive im Wohnbau verweisen.“ So seien von 2013 bis 2017 insgesamt 73.999 Sanierungsansuchen mit einem Fördervolumen von über 151 Mio. Euro gefördert worden. „Damit wurde ein Bauvolumen von über 760 Mio. Euro ausgelöst“, so Tratter. Allerdings zeigen die Zahlen auch für Tirol, dass die Zahl der Ansuchen seit Jahren bei um die 15.000 stagniert bzw. 2017 sogar sank. Waren es 2011 noch über 23.000 Förderansuchen, waren es 2017 nur rund 12.400. Einen möglichen Anschub sieht Bau­innungsmeister Anton Rieder in einer besseren steuerlichen Abschreibung für Gebäudekosten. Das wirke besser als Förderungen. „Die energetische Sanierung ist nach wie vor wirtschaftlich schwer vorstellbar, da die Energiekosten nicht so schnell wie vermutet gestiegen sind“, so Rieder. Wenn saniert werde, dann meist aufgrund bautechnischer Erfordernisse oder Nutzungsverbesserungen.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Alles, was unter 30 Prozent gefördert werde, bringe nur einen Mitnahmeeffekt mit sich. Tatsächliche Nachfrage entstehe nur, wenn man etwa ein Drittel fördert. Wenn sich jemand ein neues Dach um 50.000 Euro mache und dafür 5000 Euro an Förderung bekomme, nehme er das Geld mit, aber es sei kein Auslöser für die Investition. Auch Anton Rieder meint, dass die Förderkosten zu gering und umfassende Sanierungen aufgrund der derzeit niederen Energiepreise für Immobilienbesitzer uninteressant seien.

Im Gegensatz dazu meint Tratter: „Seitens der Wohnbauförderung ist ein Mitnahmeeffekt – in großer Dimension – im Rahmen der Wohnhaussanierung nicht feststellbar.“ Nachdem die Förderung im Regelfall zwischen 20 und 25 Prozent der förderbaren Kosten liege und damit deutlich höher als im genannten Beispiel ausfalle, werde die Entscheidung der Investition in den allermeisten Fällen nur im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme einer Sanierungsförderung des Landes Tirol getroffen.

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Tratter verweist auch darauf, dass die Neuauflage der 2017 ausgelaufenen Sanierungsförderung mit einer erhöhten und vom Einkommen unabhängigen Förderung beschlossen wurde. Gleiches fordert Anton Rieder auch auf Bundesebene. „Und vor allem der Handwerkerbonus sollte wieder eingeführt werden“, so Rieder. (hu)


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