Türkei soll Giftgas in Syrien eingesetzt haben - USA drohen Assad

Damaskus (APA/dpa/Reuters) - In der umkämpften kurdischen Region Afrin in Nordsyrien sollen die türkische Armee und ihre Verbündeten Giftgas...

Damaskus (APA/dpa/Reuters) - In der umkämpften kurdischen Region Afrin in Nordsyrien sollen die türkische Armee und ihre Verbündeten Giftgas eingesetzt haben. Sechs Menschen hätten durch die Einwirkung eines nicht näher bestimmten Gases Atembeschwerden und erweiterte Pupillen bekommen, berichteten Beobachter und ärztliches Personal. Die Türkei wies die Anschuldigungen zurück.

Der mutmaßliche Angriff habe sich am Freitag in dem Ort Sheikh Hadid westlich der Stadt Afrin ereignet, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Leiter des Krankenhauses in Afrin, Joan Shitika, sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass die Verletzten mit Atembeschwerden nach türkischem Beschuss eingeliefert worden seien. Die staatliche Syrische Nachrichtenagentur Sana warf der türkischen Armee vor, Granaten mit Giftgas bei dem Beschuss einer Ortschaft eingesetzt zu haben.

Gemeinsam mit Verbündeten der Freien Syrischen Armee geht die Türkei seit fast vier Wochen gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien vor. Die Kurden kontrollieren große Teile entlang der türkisch-syrischen Grenze. Die Türkei stuft die YPG wegen enger Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als terroristisch ein.

Nicht nur wegen der Anschuldigungen gegen die Türkei und ihre Verbündeten droht die Situation im nordsyrischen Afrin weiter zu eskalieren. Regierungstreue Truppen sollen offensichtlich die kurdischen YPG-Milizen gegen die Türkei unterstützen. Die Truppen könnten den Kurden in Afrin bald zu Hilfe eilen, hieß es aus syrischen Regierungskreisen. Offizielle Angaben zu der Abmachung gab es bisher nicht.

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Die türkische Armee wies die Giftgas-Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Man benutze keine Materialien, die unter internationalem Recht geächtet seien. „Solche Munition gibt es nicht im Inventar der türkischen Streitkräfte“, hieß es in der Erklärung. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz bezeichnete ein türkischer Diplomat die Vorwürfe als „schwarze Propaganda“. „Die Türkei hat niemals Chemiewaffen eingesetzt. Wir sind bei der Operation Ölzweig überaus vorsichtig gegenüber Zivilisten“, sagte er.

Zuletzt gab es mehrfach Anschuldigungen, in Syrien sei Giftgas eingesetzt worden. Bereits in der vergangenen Woche hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, von mutmaßlichen Giftgasangriffen in Afrin, in der Provinz Idlib und der Rebellenhochburg Ost-Ghouta bei Damaskus berichtet. Allerdings ließen sich die Anschuldigungen nicht unabhängig überprüfen, sagte de Mistura.

Die USA drohten mit Vergeltungsschlägen in Richtung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. „Fotos zeigen ganz klar, dass Assad weiter Chemiewaffen einsetzt“, sagte der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, Herbert Raymond McMaster, am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Es sei Zeit für alle Staaten, die Assad-Regierung und ihre Unterstützer dafür verantwortlich zu machen. Die USA hatten bereits im April 2017 eine syrische Luftwaffenbasis mit Marschflugkörpern angegriffen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte Syrien unlängst mit einem Angriff gedroht, sollte der Führung der Einsatz von Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung nachgewiesen werden. Er habe dafür aber noch keinen Beweis gesehen. Die Assad-Führung hat wiederholt einen Einsatz von Chemiewaffen bestritten und erklärt, sie ziele auf Rebellen und bewaffnete Militante, nicht auf Zivilisten. 2013 hatte sich Syrien zur Aufgabe aller Chemiewaffen verpflichtet.

(Wochenendmeldung)


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