Achim Wambach: „Die Wirtschaft wird noch globaler werden“

Der deutsche Ökonom Achim Wambach sieht kein Ende der Globalisierung der Weltwirtschaft. Trotz Androhung von US-Schutzzöllen.

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Aktuell sorgen die Strafzölle von US-Präsident Donald Trump weltweit für Aufregung. Ist dies das Ende der Globalisierung?

Achim Wambach: Der 50-jährige deutsche Ökonom ist Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Seit 2006 ist er im wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums. Er ist Vorsitzender der Monopolkommission.
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Achim Wambach: Trotz protektionistischer Bestrebungen in einigen Ländern spricht einiges dafür, dass die Wirtschaft noch globaler werden wird. Dafür sind die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung einfach zu groß. Diese Offenheit bringt aber auch Wettbewerbsprobleme mit sich. Während Österreich und Deutschland viele kleinere Unternehmen haben, dringen jetzt die großen Firmen auf den europäischen Markt. Eine anschauliche Zahl dazu: In den USA entfallen auf die Top 100 Unternehmen fast 50 Prozent der gesamten Wertschöpfung. In Deutschland dagegen machen die Top 100 zusammen gerade einmal 16 Prozent der Wertschöpfung aus. Es scheint, dass in den USA nach dem Motto „Big is beautiful" vorgegangen wird.

US-Unternehmen sind überall. Kontrollieren nicht Amazon, Google, Facebook und Apple alles?

Wambach: Das sind tatsächlich die großen vier, die sehr marktmächtig sind. Die Wettbewerbsbehörden sind jedoch dabei, gegen den Missbrauch der Marktmacht durch diese Konzerne vorzugehen. Dabei gibt es noch einiges, was wir besser verstehen müssen. Was ist der relevante Markt, wenn die Leistung umsonst erbracht wird? Worin liegt der Missbrauch, wenn man etwa Daten der Kunden nutzt?

Das bringt uns zur Digitalisierung. Wie viele Arbeitsplätze der Zukunft werden künftig tatsächlich von Robotern ersetzt?

Wambach: Deutschland hat bereits jetzt die höchste Anzahl an Industrierobotern. Diese helfen, Produkte auf effiziente Art billiger zu produzieren. Studien zeigen, dass diese Roboterisierung nicht zu Arbeitsplatzverlusten geführt hat. Allerdings war das Wachstum von Arbeitsplätzen in den Sektoren größer, die nicht so stark von der Robotik betroffen waren, etwa im Dienstleistungsbereich. Hier kommt ein Strukturwandel auf uns zu. Wichtig ist, dass auch die öffentliche Hand diesen mitmacht oder sogar vorangeht. Österreich ist bei der Digitalisierung schon sehr gut aufgestellt, beispielsweise beim E-Government oder beim Zugang zu Breitbandinternet. Hier liegt Deutschland weit zurück.

Manche Studien sprechen davon, dass jeder zweite Job verloren geht. Stimmt das so?

Wambach: Unsere eigenen Studien am ZEW kommen auf eher 10 Prozent der Arbeitsplätze, die durch künstliche Intelligenz und Automatisierung ersetzt werden können. Aber auch das wäre eine nicht zu vernachlässigende Größe. Hinzu kommt, dass sich bei weiteren 25 Prozent der Arbeitsplätze das Tätigkeitsfeld ändern wird. Es wird durch die Digitalisierung ein „Routine-Replacing" geben. Also, alles, was standardisiert und immer gleich abläuft, kann künftig von einer Maschine oder einer entsprechenden Software erledigt werden. Das muss aber nicht unbedingt nur die unteren Lohnbereiche, also Hilfsarbeiterjobs, betreffen. Wir denken, dass insbesondere auch Tätigkeiten mittlerer Qualifikation von den digitalen Veränderungen betroffen sein werden. Der Frisör wird dagegen bleiben, denn der Roboter kann keine Haare schneiden.

Die Flüchtlingskrise hat viele Menschen nach Europa gebracht, die jetzt auf der Suche nach einem Arbeitsplatz sind. Können diese in den Arbeitsmarkt integriert werden?

Wambach: Grundsätzlich ist es ein humanitäres Gebot, Flüchtlingen zu helfen, egal ob dies Vorteile bringt oder nicht. Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist allerdings eine schwierige Aufgabe, denn Fachkräfte sind diese Menschen oftmals nicht. Ihr Bildungsstand ist häufig niedrig. Eine schnelle Integration in den Arbeitsmarkt wäre wichtig, ist aber eine echte Herausforderung.

Jetzt scheint es geschafft, aber Deutschland hatte sehr lange keine Regierung. Es lief aber trotzdem alles wie gewohnt weiter, oder?

Wambach: Die Wirtschaft funktioniert auch einige Zeit lang ohne Regierung. Vom Koalitionspapier der GroKo sind die Wirtschaftsverbände allerdings nicht sonderlich beeindruckt. Die geplanten Maßnahmen zur Verringerung der Steuerbelastung sind gering. Das ist riskant, denn die USA und auch Frankreich sind dabei, die Unternehmenssteuern zu reduzieren und sich dadurch Vorteile beim internationalen Wettbewerb um Investitionen zu verschaffen.

Das Gespräch führte Verena Langegger


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