“Viel Lärm um nichts“: William, der Mann mit dem Koks ist da

Volkstheater: Sebastian Schug macht aus Shakespeares geistreicher Beziehungskomödie „Viel Lärm um nichts“ eine Trash-Oper.

© APA

Wien –Kurzweilig ist dieser sonderbare Volkstheater-Abend, der vorgibt, Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ gewidmet zu sein. Mantel und Degen trifft Piratenklamauk trifft Rockkonzert und dazwischen wuselt ein Ensemble am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Marschierpulver gibt es reichlich, schließlich muss Christian Kiels wild zugemüllte Drehbühne – Kaschemme, Piratenhöhle, was auch immer – flott beturnt werden. Trash-Style bestimmt auch die Kostüme (Nicole Zielke), bunter Billigglitzer bei den Darstellerinnen, abgerissenes Rocker-Outfit beim männlichen Personal.

Der deutsche Regisseur Sebastian Schug verstellt mit seiner in jeder Hinsicht lauten Interpretation der ironischen und zugleich sinnlichen Liebesintrige rund um Beatrice und Benedikt rechtschaffen uncharmant den Blick auf dieses großartige Stück Welttheater. Isabella Knöll und Jan Thümer geben die beiden an ihrer jeweiligen Freiheit hängenden Streithähne, die mit List zum Liebespaar von Shakespeares zweischneidigen Gnaden werden.

Trotz Bemühens gelingen kaum intensive Momente, Krawall regiert und wird lustvoll von Thomas Frank als dauerzugedröhnter Pater Francis, Steffi Krautz in der Rolle des zur Donna mutierten Don John oder Sebastian Pass als Don Pedro ausgespielt. Die Frage der Liebe als Gratwanderung zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung, die der Komödie zugrunde liegt, interessiert in dieser Inszenierung offensichtlich nicht.

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Auch der zweiten Paarung, Hero (Nadine Quittner) und Claudio (Kaspar Locher), würde man gerne mehr Beziehungs-Spiel-Raum gönnen, als im Liebeswerben eine als Palme verkleidete Metallstange erklimmen zu müssen.

Schade auch um Evi Kehrstephan und Claudia Sabitzer, die als wüste Marketenderinnen nur Stichwortgeberinnen sein dürfen. Peter Fasching kann sich als Borachio manchmal behaupten. Eine Glanzleistung legte am Premierenabend der Souffleur Jürgen M. Weisert hin, der Stefan Suskes (Leonato) krankheitsbedingten Stimmverlust gekonnt auffing. Gemächlicher Applaus. (lietz)


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