„Das ist ein Krieg“: Separatisten rufen zu Dauerkrawallen auf
Obwohl der Großteil der Demonstranten in Katalonien friedlich gegen die Festnahmen Puigdemonts und 13 weiterer Separatistenführer protestiert, erhalten linksradikale Gruppierungen immer mehr Zulauf. Im Internet kündigen sie Dauerkrawalle und einen „katalanischen Frühling“ an.
Von Manuel Meyer/APA
Barcelona, Berlin - In Katalonien halten die Krawalle und Proteste gegen die Festnahme von Separatistenführer Carles Puigdemont in Deutschland auch am Montag noch an. Am Vormittag blockierten rund Hundert Personen die Autobahn A-2 zwischen Lleida und Barcelona. Als die katalanische Regionalpolizei Mossos d‘Esquadra die Demonstration auflösen wollte, kam es zu Ausschreitungen.
Aufgerufen zur Autobahn-Blockade hatte das sogenannte „Komitee zur Verteidigung der Republik“ (CDR). Es handelt sich um Tausende von gewaltbereiten Linksseparatisten, die aus verschiedenen Linksbewegungen stammen, unter anderem der CUP-Partei, die im katalanischen Regionalparlament zur Regierungsbildung gebraucht wird.
Fast hundert Verletzte bei Tumulten am Sonntag
Bereits am Sonntag kam es nach dem Protestmarsch von rund 50.000 Unabhängigkeitsbefürworter gegen die Festnahmen Puigdemonts und anderer Separatistenführer in Barcelona zu regelrechten Straßenschlachten. Fast hundert Menschen wurden verletzt. Neun Personen wurden festgenommen.
Auch am Freitag hatten in ganz Katalonien Demonstrationen gegen die Verhaftung von 13 katalanischen Separatistenführern durch den Obersten Gerichtshof in Madrid stattgefunden. Unter den Verhafteten befinden sich unter anderen auch Präsidentschaftskandidat Jordi Turull, Kataloniens ehemaliger Außenminister Raul Romeva sowie Kataloniens ehemalige Parlamentspräsidentin Carme Forcadell. Die spanische Justiz klagt sie wegen ihrer Beteiligung am illegalen Unabhängigkeitsprozess der Rebellion an.
Parlamentspräsident fordert „friedliche Einheitsfront“
Zwar forderte Kataloniens separatistischer Parlamentspräsident Roger Torrent eine „friedliche Einheitsfront zur Verteidigung der Demokratie“. Doch das linksradikale Lager der katalanischen Separatisten ist dazu anscheinend nicht mehr bereit.
Viele bekannte linksextreme Separatistenführer wie Mireia Boya von der CUP-Partei rufen die Menschen zu permanenten Massenprotesten auf und sprachen von der Notwendigkeit eines „katalanischen Frühlings“, um den „spanischen Unrechtsstaat“ in die Knie zu zwingen.
„Gewaltbereit, gut organisiert und mobilisiert“
Tatsächlich könnte es in den kommenden Wochen oder gar Monaten zu noch mehr Gewalt kommen. „Das ist ein Krieg. Und wir werden ihn gewinnen“ schrien bereits am Sonntag die CDR-Gruppen. „Nun beginnt der katalanische Frühling“ lautet ein anderer „Schlachtruf“ in Anlehnung an die Proteste in vielen arabischen Ländern, die zu Revolten, Bürgerkriegen und dem Ende zahlreicher autoritärer Regime in Nordafrika und im Nahen Osten führten. „Es handelt sich um linksradikale Separatistengruppen, die sehr gewaltbereit und gut organisiert und mobilisiert sind“, erklärt der katalanische Politologe Oriol Bartomeus im Gespräch mit der APA.
Das Komitee zur Verteidigung der Republik will „dauerhafte Demos und Straßensperren“, bis alle inhaftierten Separatistenführer wieder auf freiem Fuß sind. Die Kriegstrommeln werden bereits ordentlich im Internet getrommelt. „Hallo Mariano Rajoy. Wir haben sie vorgewarnt. Sollte es mehr Verhaftungen geben, wird Katalonien für Sie zur Hölle werden. Wir werden hier ein Ulster veranstalten“, kann man auf Foren lesen.
Auch der CUP-Abgeordnete Carles Riera kündigte an, dass man jeden Tag zu Demonstrationen aufrufen werde, bis die Separatistenführer freigelassen werden. Die Winde der Unabhängigkeit vom Oktober werden zum Hurrikan, versprach Riera.
Appell an deutsche Justiz
Elsa Artadi, Sprecherin von Puigdemonts separatistischer Einheits-Liste Junts per Catalunya (JxCAT), appellierte noch am Sonntag an die deutsche Justiz, Puigdemont wieder freizulassen und nicht an Spanien auszuliefern: „Wir sind eine friedliche und demokratische Bewegung. In Spanien ist (Puigdemont) kein fairer Prozess garantiert, nur Rache und Repression“.
Wie lange es sich noch um eine friedliche Bewegung handelt, bleibt nun abzuwarten. Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido kündigte am Montag schon mal an, die Polizeipräsenz in Barcelona zu erhöhen und Richter wie pro-spanische Politiker stärker zu schützen.