Tirols Top-Forscher hoffen auf stärkeres Engagement im All

Das ÖWF (Österreichische Weltraum Forum) ist international anerkannt. Die Wissenschafter orten in Tirol großes Potenzial.

© ÖWF

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Das ÖWF (Österreichische Weltraum Forum) ist eine von vier Forschungseinrichtungen, die bei der Entwicklung des künftigen Marsanzuges ganz vorne mit dabei sind. Der in Tirol ansässige Verein hat zuletzt mit seiner Marssimulation in der Wüste von Oman international für viel Aufsehen gesorgt.

Dabei wurde nicht nur der Marsanzug getestet, sondern es wurden auch zahlreiche Experimente durchgeführt – unter anderem pflanzten die Astronauten Kresse in einem aufblasbaren Modul an. „Damit die Astronauten später nicht nur spezialisierte Kost, sondern auch frisches Gemüse essen können“, erklärt der Leiter des ÖWF, Gernot Grömer. Die Marssimulation wurde nicht nur per Liveschaltung zu den Vereinten Nationen übertragen, auch in Tirol verfolgte unter anderem Landesrat Bernhard Tilg, das Eintauchen in die marsähnliche Welt.

Unzählige Zeitungsartikel und TV-Dokus, sowie 20 Millionen Follower auf Twitter später wünscht sich Grömer vom Christkind – Ostern hält er für vermessen – dass Tirols Politiker sich auch auf Bundesebene für eine Raumfahrtagentur starkmachen. „Österreich zahlt derzeit 65 Millionen Euro pro Jahr an die europäische Weltraumorganisation (ESA). Dieses Geld fließt zurück. Über eine Raumfahrtagentur könnte man die Kräfte bündeln“, erklärt Grömer.

Derzeit leben in Österreich etwa 1000 Menschen von der Raumfahrt. „Da wäre viel Potenzial vorhanden. Schon jetzt gibt es mehrere Tiroler Firmen, die in diesem Sektor aktiv sind.“ Als Beispiele nennt er die Erdbeobachtungsfirma GeoVille, die 70 Mitarbeiter beschäftigt und die Schwazer Firma Mattro, die Elektrofahrzeuge entwickelt. Ein Raupenfahrzeug wurde bei der Marsexpedition in Oman erfolgreich eingesetzt. „Weltraumforschung ist zukunftsträchtig. Vor allem werden die MINT-Fächer forciert, bei denen wir dringend Facharbeiter brauchen“, so Grömer. Die MINT-Fächer sind Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Viele heute alltägliche technische Innovationen kommen von der Weltraumforschung – wie kratzfeste Gläser oder unsichtbare Zahnspangen.

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Der ÖWF-Leiter führt intensive Gespräche auf Tiroler Ebene. Er geht davon aus, dass eine Raumfahrtagentur nicht viel teurer käme, aber die Vernetzung viel bringen würde. „Wir haben so viel Knowhow in Tirol, das müssen wir bündeln“, sagt Grömer. Er schließt mit der höchsten Empfehlung: „In der NASA wurde ein Problem diskutiert, bis einer sagte: Fragt doch die Österreicher.“ So passierte es. Die Tiroler konnten tatsächlich eine Lösung anbieten.


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