Guatemalas Ex-Diktator Rios Montt gestorben - Proteste seiner Gegner

Guatemala-Stadt (APA/AFP) - Guatemalas Ex-Militärdiktator Efrain Rios Montt ist tot. Der einstige Staatschef, der das zentralamerikanische L...

Guatemala-Stadt (APA/AFP) - Guatemalas Ex-Militärdiktator Efrain Rios Montt ist tot. Der einstige Staatschef, der das zentralamerikanische Land 1982 und 1983 mit harter Hand regierte, starb nach Angaben seiner Anwälte am Sonntag im Alter von 91 Jahren. Zum Zeitpunkt des Todes war gegen ihn ein seit Jahren andauerndes Verfahren anhängig. Er musste sich wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten.

Der Anwalt Jaime Hernandez, ein Vertrauter der Familie, sagte Journalisten, die Todesursache sei Herzversagen. Sein Strafverteidigerkollege Luis Rosales fügte hinzu, Rios Montt sei „ruhig und in Frieden“ in seiner Residenz gestorben - in der Überzeugung, dass es in Guatemala „keinen Völkermord“ gegeben habe und er „unschuldig“ sei.

Rios Montt wurde Stunden nach seinem Tod auf einem privaten Friedhof in Guatemala-Stadt beigesetzt. Seine Tochter Zury Rios rief bei dieser Gelegenheit, ihr Vater sei als freier Mann aus dem Leben geschieden. In Sprechchören von Anhängern am Grab hieß es: „Es lebe der General Rios Montt, der uns von den Kommunisten befreit hat“, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Zur gleichen Zeit gingen in der Hauptstadt dutzende Angehörige von Opfern des Rios-Montt-Regimes auf die Straße. Vor dem ehemaligen Regierungssitz protestierten sie gegen die Straflosigkeit für den Ex-Diktator. Mit roter Farbe schrieben sie auf den Asphalt: „Völkermörder Rios Montt - die Völker vergeben nicht, sie vergessen nicht.“ Ebenfalls mit roter Farbe übermalten sie die guatemaltekische Fahne - ein Symbol für das Blut, das unter Rios Montts Herrschaft vergossen wurde.

Rios Montts Amtszeit Anfang der 80er Jahre gilt als eine der blutigsten Perioden im Gewaltkonflikt zwischen Armee, linksgerichteter Guerilla und Todesschwadronen zwischen 1960 und 1996 mit 200.000 Toten. Der Machthaber war unter anderem angeklagt, für die Ermordung von 1.771 Angehörigen der Ixil-Volksgruppe in der nördlichen Region Qiche verantwortlich gewesen zu sein. Er soll eine gezielte Vernichtungspolitik gegen die Ixil in Gang gesetzt haben, die er verdächtigte, mit linksgerichteten Guerillagruppen zusammenzuarbeiten.

Im Mai 2013 verurteilte ein Gericht Rios Montt zu 80 Jahren Haft. Das Verfassungsgericht Guatemalas hob dieses Urteil jedoch binnen weniger Tage wegen Formfehlern auf und ordnete ein neues Verfahren an. Dieses begann im März 2016 in Abwesenheit des Angeklagten, der nach Angaben seiner Anwälte an Demenz litt.

Der 1926 in der Region Huehuetenango an der Grenze zu Mexiko geborene Rios Montt trat als 18-Jähriger der Militärpolizei bei. Im Zuge seiner mit 20 Jahren begonnenen Offiziersausbildung brachte er es bis zum General. 1973 trat er als Kandidat eines Mitte-links-Bündnisses erfolglos zur Präsidentschaftswahl an. Danach schwenkte er politisch um nach weit rechts.

Am 23. März 1982 putschte sich Rios Montt an die Macht, indem er den General Romeo Lucas García stürzte. Bereits knapp eineinhalb Jahre später, am 8. August 1983, entmachtete ihn sein Verteidigungsminister Oscar Mejia Victores.

1989 gründete Rios Montt die rechte Republikanische Guatemaltekische Front (FRG). Diese brachte 1999 ihren Präsidentschaftskandidaten Alfonso Portillo an die Macht. Rios Montt war für die FRG drei Mal Parlamentsabgeordneter. Sein sehnlicher Wunsch, an die Macht zurückzukehren, erfüllte sich nicht.

Rios Montts Tochter, eine ehemalige Abgeordnete, ist mit dem republikanischen US-Senator Jerry Weller verheiratet. Sein Sohn ist der General im Ruhestand, Enrique Rios Montt.


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