Südafrikas „Mutter der Nation“ Winnie Mandela verstorben

Nelson Mandelas Ex-Frau starb im Alter von 81 Jahren. Auch sie kämpfte gegen das Apartheid-System.

Winnie Mandela auf einem Foto aus dem Jahr 2016.
© AFP

Johannesburg – Die Anti-Apartheid-Kämpferin Winnie Mandela ist tot. Die Ex-Frau des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela starb am Montag im Alter von 81 Jahren nach „langer Krankheit“ im Krankenhaus in Johannesburg, wie ihr Sprecher sagte.

Winnie Mandela gilt vielen in ihrer Heimat als "Mutter der Nation".
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Die von vielen Südafrikanern als „Mutter der Nation“ betrachtete Aktivistin war eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten im Jahrzehnte währenden Kampf gegen die Rassentrennung am Kap.

Die als Nomzamo Winifred Zanyiwe Madikizela geborene, stets Winnie gerufene, Sozialarbeiterin war 38 Jahre lang mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela verheiratet. Die Anti-Apartheid-Ikone verbrachte davon 27 Jahre im Gefängnis, bis er 1990 vor den Augen der Weltöffentlichkeit Hand in Hand mit Winnnie in die Freiheit ging. Das Paar hatte sich jedoch während der Gefängniszeit entfremdet und trennte sich 1992.

Winnie Mandela begleitet ihren damaligen Ehemann Nelson, als dieser 1990 aus dem Gefängnis entlassen wird.
© REUTERS

1952 Wegen Verstoßes gegen Passgesetz verurteilt

Winnie hatte die zwei gemeinsamen Töchter während der Abwesenheit ihres Mannes allein aufgezogen und in dieser Zeit den Kampf für ein Ende der Apartheid unvermindert fortgeführt. Schon im Jahr ihrer Hochzeit mit Mandela, 1952, war Winnie wegen Verstoßes gegen das Passgesetz, das den Bewegungsradius nicht-weißer Menschen reglementierte, zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden.

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Nach der Verurteilung Nelson Mandelas zu lebenslanger Haft im Jahr 1964 musste auch Winnie immer wieder ins Gefängnis. Sie wurde gefoltert, durfte die Schwarzen vorbehaltene Siedlung Soweto nicht verlassen und wurde schließlich ins abgelegene Brandfort verbannt. Dennoch verstummte ihre Stimme nie. Sie war laut vernehmbar, als sie 1976 während des Soweto-Aufstands die Studenten ermutigte, „bis zum bitteren Ende zu kämpfen.“

Senator Edward Kennedy besucht Winnie Mandela im Januar 1985.
© Reuters

In den 80er Jahren aber wurde Winnie wegen ihrer Radikalität zur Belastung für Mandela und die Anti-Apartheid-Bewegung. Sie umgab sich mit wegen ihrer Brutalität berüchtigten Leibwächtern, die vermeintlichen Verrätern mit Benzin getränkte Reifen umlegten und anzündeten - zynisch als „Halsketten“ bezeichnet. 1986 sagte Winnie Mandela in einer Rede, sie wolle das ganze Land „mit unseren Streichholzschachteln und unseren Halsketten“ befreien.

Der Scheidungsprozess mit Mandela machte später eine Affäre von Winnie mit einem dieser Leibwächter öffentlich. 1989 töteten Winnies Leibwächter einen 14-Jährigen, den sie als Informanten verdächtigten. Winnie wurde 1991 für den Tod des Burschen mit schuldig gesprochen und zahlte eine Geldstrafe. Vor der von Erzbischof Desmond Tutu geleiteten Wahrheits- und Versöhnungskommission bestritt Winnie jedwede Mordbeteiligung.

2009 ins Parlament gewählt

Ihre Zeit als stellvertretende Ministerin unter Nelson Mandela währte nur kurz. Sie musste den Posten und die erste Reihe der Anti-Apartheid-Partei ANC (Afrikanischer Nationaler Kongress) wegen ihrer Aufmüpfigkeit verlassen. Nach einer Verurteilung wegen Betrugs im Jahr 2003 gelang Winnie Mandela noch einmal ein politisches Comeback, als sie 2009 ins Parlament gewählt wurde.

Erneut machte sie Negativschlagzeilen: Sie beleidigte Tutu und nannte den Versöhnungsprozess eine „Scharade“. Nelson Mandela habe ein „schlechtes Abkommen für die Schwarzen“ erreicht. „Er hat uns im Stich gelassen“, sagte Winnie 2010. Dennoch verbrachte sie 2013 die letzten Monate vor Nelson Mandelas Tod an seinem Sterbebett.

Mehr als vier Jahre später starb sie selbst an den Folge eines Nierenleidens, „umgeben von ihrer Familie und ihren Lieben“, wie ihr Sprecher sagte. Tutu pries Winnie als „bedeutsames Symbol“ des Anti-Apartheid-Kampfes. „Ihr Widerstandsgeist hat mich und Generationen von Aktivisten tief inspiriert“, erklärte der frühere Erzbischof. (APA/AFP)


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