„Alle zehn Minuten stirbt ein Kind aus vermeidbaren Gründen“

Bei der Geberkonferenz für den Jemen in Genf sind laut UN am Dienstag Zusagen über rund 2,4 Milliarden Euro nötig, der dreifache Betrag vom vergangenen Jahr. Die EU sicherte 107,5 Millionen Euro zu.

Kinder wachsen im Jemen im Krieg auf. Waffengewalt gehört überall zum Alltag.
© Reuters

Sanaa – UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die Hilfe für die Menschen im Bürgerkriegsland Jemen deutlich aufzustocken. „Der Jemen ist die weltweit schlimmste humanitäre Krise“, sagte Guterres am Dienstag in Genf zum Auftakt der Jemen-Geberkonferenz. 8,4 Millionen Menschen wüssten nicht, wo sie ihr nächstes Essen herbekommen sollten.

Viele hätten keinen Zugang zu sauberem Wasser. Fast drei Millionen Kinder unter fünf Jahren seien unterernährt, kritisierte der UN-Generalsekretär. „Alle zehn Minuten stirbt ein Kind aus vermeidbaren Gründen.“

Die aktuelle Situation sei im nun beginnenden vierten Jahr des Bürgerkriegs katastrophal. „Aber mit internationaler Unterstützung können und müssen wir verhindern, dass das Land in eine langfristige Tragödie schlittert.“ Nach Angaben von Guterres sind aufgrund jüngster Zusagen bisher 40 Prozent der benötigten 2,96 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) zusammengekommen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hätten 930 Millionen Dollar versprochen. Die Zusagen anderer Staaten beliefen sich auf knapp 300 Millionen Dollar.

Die EU gibt 107,5 Millionen Euro an humanitärer Hilfe. Wie die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel bekanntgab, erhöht sich damit die Gesamthilfe der EU für Jemen auf 438,2 Millionen Euro.

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In dem bitterarmen Land auf der arabischen Halbinsel tobt seit mehr als drei Jahren ein verheerender Bürgerkrieg, der mehr als 10.000 Todesopfer gefordert hat.

Drei Angriffe über Ostern

Im bitterarmen Jemen auf der arabischen Halbinsel kämpft eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition mit Luftangriffen gegen einen Aufstand der schiitischen Houthi-Rebellen. Dadurch wurden große Teile der Infrastruktur zerstört. Außerdem werden immer wieder Zivilisten Opfer der Angriffe. Erst über Ostern hatten Kampfflugzeuge drei Angriffe auf eine Wohngegend in einer Küstenstadt geflogen. Dabei waren zwölf Zivilisten getötet worden.

Die Aufständischen kontrollieren Gebiete im Norden des Landes, die Regierung ist in die Hafenstadt Aden im Süden geflohen. Saudi-Arabien wirft den Houthis vor, vom Iran unterstützt zu werden. Das sunnitische Saudi-Arabien ist ein Erzfeind der schiitischen Regionalmacht. Alle internationalen Bemühungen um eine Verhandlungslösung für den Konflikt scheiterten bisher.

„Geld alleine reicht nicht“

Die internationale Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC) kritisiert, dass Geld alleine nicht reiche, um die humanitäre Katastrophe zu beenden. „Wir brauchen Hilfe, um sicherzustellen, dass Hilfsgüter auch verteilt werden können“, sagte der Generalsekretär der Organisation, Jan Egeland. Der öffentliche Sektor und die Wirtschaft seien zusammengebrochen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung habe keinen Zugang zu fundamentaler ärztlicher Versorgung, Bildung oder sauberem Wasser.

Eine saudische Blockade eines wichtigen Hafens am Roten Meer verschlimmerte die ohnehin schon dramatische humanitäre Lage weiter. Die Situation führte zu einer der schwersten Cholera-Epidemien der vergangenen Jahrzehnte, bei der den UN zufolge mehr als 2000 Menschen starben. (APA/dpa)


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