Rätsel um Lader Bronzefunde

Archäologen legten Metallschmuckstücke, Keramikteile und bearbeitete Tierknochen aus der Bronze- und Hallstattzeit frei. Die Fundstücke datieren von 1500 bis 500 v. Chr.

Die Burg Laudegg liegt in einer „Funderwartungszone“.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Ladis –Warfen die Burgherren von Laudegg (erste Erwähnung 1239) die Knochen der erlegten Wildtiere über den Hang hinab? – Nein. Das Team der Innsbrucker Firma Ardis Archäologie hat in den vergangenen Monaten noch viel ältere Fundstücke freigelegt – aus der mittleren und späten Bronzezeit sowie aus der Hallstatt- bzw. Eisenzeit. Der zeitliche Bogen des erstaunlichen Fundes mit 20.000 Einzelteilen spannt sich von 1500 bis 500 vor Christus. Das haben die Archäologen Christoph Faller (Team Ardis) und Johannes Pöll (Bundesdenkmalamt) kürzlich bei der Fundpräsentation in Ladis festgestellt.

Der ergiebigste Grabungsort im Umfeld von Laudegg ist eine 20 x 20 Meter große Fläche am nördlichen Hangfuß. „Es war eine zwei Meter tiefe Humusschicht, in der wir gegraben und unglaublich viele Stücke gefunden haben“, schilderte Faller.

Neben 15.000 teils bearbeiteten Tierknochen (Hirsch, Steinbock, Ziegen, Schafe, Kühe, Geflügel, Schweine, Hunde, Pferd und Bär) schlummerten auch Artefakte aus Metall sowie zahlreiche Keramikbruchstücke im Boden. Vergleichbare Keramiken kenne man aus dem Mittelmeerraum.

Zu den schönsten Stücken zählen eine Nadel mit abgesetztem Kopf aus der späten Bronzezeit und ein halbkreisförmig gebogenes Blech mit Resten einer Vergoldung. Es könnte als Schmuck auf einem Lederarmband oder als Teil einer Haarspange gedient haben. Nur ganz wenige Dinge sind, so Faller, dem Mittelalter zuzuordnen, etwa eine faustgroße Kanonenkugel.

Dass der Boden systematisch unter die Lupe genommen werden konnte, „ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Pöll. „Dank aufgeschlossener Partner waren die Grabungen erfolgreich. Für das Entgegenkommen der Grundbesitzerfamilie Netzer können wir nur danken.“ Im Resümee betont er: „Wir haben es mit einer für Tirol bedeutenden Fundzone zu tun.“

Ein Rätsel bleibt vorerst allerdings ungelöst: Wer waren die Menschen, die den sensationellen Lader Schatz hinterlassen haben? Wo haben sie gelebt? – „Wir haben nichts gefunden, was auf eine Siedlung schließen lässt, keine Mauerreste, keine Gräber“, sagte Faller. Um dann die Schlussfolgerung zu ziehen: „Für diesen Hang ist eine Interpretation als Kultstätte naheliegend.“ Die verkehrsgeografisch wichtige Lage sowie der Blickkontakt zum Piller Sattel würden diese Interpretation unterstützen.

Für die Grundbesitzerfamilie Netzer, die auf dem Gelände ein Appartementhaus baut und die Grabungen auf eigene Kosten veranlasste, sagte Altbürgermeister Toni Netzer: „Wir sehen eine kulturelle Verantwortung gegenüber der Region. Die Leute sollten wissen, dass Ladis und das Sonnenplateau eine große Geschichte hat.“

Eine Auswahl der Fundstücke, die der Familie zu 100 Prozent gehören, soll künftig in Vitrinen im Appartementhaus zu bewundern sein. „Wir haben uns dazu einiges überlegt“, hob Netzer hervor.

Staunen über die Funde: Marion Steger, Alt-BM Toni Netzer, Sonja Netzer, BM Florian Klotz, David Netzer, Christoph Faller und Johannes Pöll (v. l.).
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