Jenseits von Raum und Zeit

Ein Meilenstein: Vor 50 Jahren kam Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ ins Kino.

Keir Duella spielte in „2001“ den Astronauten Dave Bowman, dem sich am Rand des Sonnensystems eine neue Dimension eröffnet.
© MGM/Imago

Innsbruck –Die Vorzeichen standen schlecht. Den für Mitte 1967 anvisierten Starttermin seines neuen Films „2001: Odyssee im Weltraum“ konnte Stanley Kubrick nicht einhalten, weil er in England – weit weg von seinen Geldgebern in Hollywood – noch an den Spezialeffekten feilte. Dann fiel der Film beim Testpublikum durch. 114 Menschen haben die Vorführung vorzeitig verlassen – Kubrick notierte jeden Einzelnen. Auch die vom Studio Metro-Goldwyn-Mayer für den 2. April 1968 organisierte Welturaufführung von „2001“ in New York geriet zum Fiasko: „Gibt es jemanden, der mir den Blödsinn erklären kann?“, fragte etwa ein zürnender Rock Hudson. Die anderen Stargäste, darunter Kirk Douglas, der bereits zweimal mit Kubrick gearbeitet hatte, blieben ihm die Antwort schuldig. Spätestens nach Erscheinen der ersten Kritiken schrieb MGM die knapp 10 Millionen US-Dollar, die man in die Science-Fiction-Oper des vielversprechenden Eigenbrötlers Kubrick, dessen bisherige Filme („Lolita“, „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“) trotz kontroverser Themenwahl Kassenschlager waren, ab: „Eine unwahrscheinliche Verschwendung“, urteilte Pauline Kael im New Yorker, „extrem langweilig“, befand die New York Times.

Stanley Kubrick drehte unter anderem die Verfilmung von Schnitzlers "Traumnovelle": "Eyes Wide Shut". Auch an einer Zweig-Novelle hatte er offenbar gearbeitet.
© imago stock&people

Kurz darauf, am 6. April, startete „2001“ trotzdem regulär im Kino – und entwickelte sich, nicht zuletzt dank zahlloser jugendlicher Kinogänger, zum Hit: Mit Einnahmen von gut 58 Millionen Dollar war er der umsatzstärkste Film des Kinojahres.

Heute gilt „2001: Odyssee im Weltraum“ als Meilenstein der Filmgeschichte, als Meisterwerk, das Science-Fiction einerseits erdete und andererseits transzendierte, als Film, der die Grenzen von Raum und Zeit sprengte: Ein simpler Schnitt verband den „Aufbruch der Menschheit“ und deren erstes (Mord-)Werkzeug mit der Zukunft, mit Raumstationen, die sich im Walzertakt drehen. Ungesehenes traf auf Unerhörtes: Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ und György Ligetis „Lux Aeterna“ auf prähistorisches Treiben, Aram Khachaturian „Gayaneh’s Adagio“ auf den schnöden Weltraumalltag einer „Jupiter-Mission“.

„2001“ war visionär: Tricktechnisch, aber auch inhaltlich, bereits vor 50 Jahren, also gut zwölf Monate vor Neil Armstrongs „großem Sprung für die Menschheit“, dachten Kubrick und sein Co-Autor Arthur C. Clarke, der zeitgleich den Roman zum Film vorlegte, über künstliche Intelligenz nach, die dem „Risikofaktor Mensch“ zusetzte. Das lässt einen noch heute, in Zeiten smarter Telefone und allgegenwärtiger Algorithmen, staunen.

Künftig auch wieder im Kino: Auf Grundlage des originalen Kameranegativs wurde eine neue 70-Millimeter-Kopie des Films angefertigt, die Kubrick-Verehrer Christopher Nolan („Interstellar“) im Mai beim Filmfestival von Cannes präsentieren wird. (jole)


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