Erfolgreich, aber einsam

Für den Tiroler Volleyball-Export Alexander Tusch regnet es in Estland Titel und Auszeichnungen. Eine Rückkehr scheint trotzdem wahrscheinlich.

Cupsieg, Meister, ?MVP? - der Stolz von Mama Angela (l.) und Papa Stephan (r.) kannte keine Grenzen.
© Tusch

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Lauscht man hin und wieder den Aussagen von Tiroler Jugendlichen, dann fällt im Zusammenhang mit Innsbruck immer wieder der Begriff „Dorf“. Im Vergleich zu Kuressaare (13.000 Einwohner), der Hauptstadt der estnischen Insel Saaremaa, ist die Tiroler Landeshauptstadt aber geradezu eine Weltmetropole. Das hat auch Tirols Volleyball-Export Alexander Tusch feststellen dürfen.

„Bitte nicht falsch verstehen: Es gefällt mir hier, aber im Winter kann man nicht viel machen“, erklärt der Aufspieler beim TT-Gespräch. Auf der anderen Seite erlebt der ehemalige Hypo-Akteur ein sportliches Hoch: Cupsieger, baltischer Meister und nun folgt ab Ende April der Angriff auf die estnische Meisterschaft. Zusätzlich gab es Auszeichnungen als „wertvollster Spieler“ („MVP“) für den rotweißroten Nationalteamakteur. Tusch: „Das macht einen sehr stolz.“

Die endlosen Weiten der estnischen Insel Saaremaa sind Fluch und Segen für Tirols Volleyball-Legionär Alexander Tusch.
© Tusch

So herzerwärmend die Erfolge am glänzenden Parkett auch sind, so einsam sind die langen und kalten Wintermonate auf der Insel gewesen. Das Serienprogramm vom Videostreaming-Dienst Net­flix war schnell ausgeschöpft, die Spiele auf der Playstation ebenso „und mittlerweile lese ich jede Woche ein Buch. Du kannst hier halt nicht deine Freunde anrufen und sagen: ,Gehen wir snowboarden.‘ Aber natürlich ist das alles Jammern auf höchstem Niveau. Das muss ich zugeben“, erklärt der 24-Jährige mit einem Lächeln.

Über eine mögliche Rückkehr nach Mitteleuropa wird der sportliche Erfolg im Saison-Finale mitentscheiden. Tusch: „Werden wir nun auch noch estnischer Meister, dann fehlt mir der Anreiz für eine Rückkehr. Es soll nicht arrogant klingen: Aber was sollen wir im nächsten Jahr noch gewinnen?“

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Rechnen konnte der Legionär des neu gegründeten Saaremaa VK nicht mit diesen Triumphen. „Dass wir so von null auf 100 durchgestartet sind, unsere Halle jedes Mal ausverkauft ist – das ist schon Wahnsinn. Als meine Eltern zu Besuch waren, hat es eine nette Anekdote gegeben: Da kam ein Paar auf sie zu und bedankte sich, dass sie mich hierherkommen haben lassen“, freut sich „Tuschi“ über den Zuspruch.

Wohin es den Tiroler schlussendlich treiben wird, will er noch auf sich zukommen lassen. Jetzt werde einmal die estnische Meisterschaft beendet, dann sollen Optionen abgewogen werden. Aber wer weiß: Vielleicht sieht man den Legionär ja in der kommenden Saison wieder im Hypo-Trikot?


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