Obsteiger Feuerwehr findet keinen Chef

Die Obsteiger Feuerwehr sucht nach dem Rücktritt ihres langjährigen Kommandanten einen Nachfolger. Die Neuwahl musste deshalb vertagt werden. Nun ist der Bürgermeister am Zug.

© Reichle

Von Matthias Reichle

Obsteig –Kein Feuerwehrkommandant, kein Stellvertreter – die Feuerwehr der Gemeinde Obsteig ist derzeit ohne Führung. Seit Ende März haben die Florianijünger keinen offiziellen „Chef“ mehr. Nach dem Rücktritt ihres Kommandanten Erich Mirth findet die Truppe nämlich keinen Nachfolger. Die Neuwahlen mussten ergebnislos abgebrochen werden – es hatte sich niemand bereit erklärt, den Posten anzutreten, berichtet Bezirksfeuerwehrkommandant Hubert Fischer.

Für alle anderen Funktionen – vom Stellvertreter bis zum Schriftführer – hatte sich jemand gefunden, erklärt Fischer. Nicht so für den Posten des Kommandanten. Dabei hatte der alte Chef bereits im vergangenen Frühjahr seinen Rücktritt angesprochen. Nachdem es auch bei der Jahreshauptversammlung keine Wahlvorschläge gab, wurde die Wahl des gesamten Kommandos vertagt. Die Feuerwehr steht bis auf weiteres unter der Verwaltung der Gemeinde, heißt es weiter.

Dahinter stehe weder ein Konflikt noch persönliches „Gstritt“ – auch nicht gegenüber der Gemeinde, wie Alt-Kommandant Mirth auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung erklärt. Es sind hingegen ganz „persönliche Gründe“. Er war drei Jahren als Stellvertreter und elf Jahren in der verantwortungsvollen Aufgabe als Kommandant tätig. „Ich bin aber nach wie vor bei der Feuerwehr und werde als Gemeindearbeiter weiterhin einer der Ersten am Einsatzort sein und mich auch nicht scheuen, einen solchen zu übernehmen. Die Feuerwehr läuft weiter.“

Die schwierige Aufgabe, einen Nachfolger zu finden, liegt jetzt auch bei Bürgermeister Hermann Föger. Der bestätigt, dass man Gespräche führen wird. „Man ist auf der Suche.“ Für die Zukunft kann er sich vorstellen, dass man „die Aufgaben besser verteilt, dass das nicht einer allein machen muss“.

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Dass die Gemeinde die Feuerwehragenden übernimmt, ist zwar selten, aber nicht zum ersten Mal der Fall. Ähnliches passierte dem Sölder Bürgermeister Ernst Schöpf vor über 15 Jahren, erinnert Bezirksfeuerwehrkommandant Fischer. „Bei ihm hing die Feuerwehrbluse zwei Jahre im Zimmer.“

Die gute Nachricht ist unterdessen, dass die Alarmkette in Obsteig nach wie vor funktioniere, so Fischer. Sowohl der ehemalige Kommandant als auch der Stellvertreter rücken immer noch aus und leiten die Einsätze auch weiterhin. „Außerdem haben wir eine schlagkräftige Wehr in Mieming. Die Bevölkerung braucht keine Angst haben.“

„Nach dem Landesfeuerwehrgesetz ist klar geregelt, dass die Einsatzleitung vom ranghöchsten Kommandanten übernommen wird. Wenn das nicht der Kommandant oder sein Stellvertreter ist, dann ist es ein Zug- oder Gruppenkommandant“, erklärt Landesfeuerwehrinspektor Alfons Gruber. Die Verwaltung übernimmt das ranghöchste Mitglied der Feuerwehr. Somit sind beide Bereiche geregelt – man hängt nicht in der Luft. Aber natürlich sei das kein Dauerzustand. Spätestens drei Monate nach der ersten Wahl muss dann eine neue Vollversammlung mit Neuwahlen ausgeschrieben werden. Die leitet der Bürgermeister, der auch die Aufsicht über die Feuerwehr hat. Gruber findet es schade, dass es keine Nachfolge gibt. „Die Gemeinde hat gerade in Obsteig viel in die Feuerwehrhalle investiert.“

Der Bezirksfeuerwehrkommandant ist zuversichtlich, bis zum Bezirksfeuerwehrtag am 4. Mai einen Nachfolger präsentieren zu können. „Es wird eine Lösung geben.“ Er glaubt allerdings, dass die Suche nach Kommandanten in den kommenden Jahren generell schwieriger werden könnte.

Für den scheidenden Kommandanten Mirth gab es bei der Generalversammlung viel Lob. Der Ausschuss bedankte sich für seinen unermüdlichen Einsatz. Ebenso wie bei Kassier Herbert Krug, der ebenfalls nach zehn Jahren nicht mehr zur Wahl stand.


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