Auf Salzburg rollt eine Torlawine zu

Morgen (21.05 Uhr, live Puls 4) gastiert Salzburg im Europa-League-Viertelfinale bei Lazio Rom.

Mit entschlossenem Blick: Lazio-Coach Simone Inzaghi (l.) und sein Torjäger Ciro Immobile.
© imago/Independent Photo Agency I

Rom –Nein, Defensivfußball kann man Lazio-Trainer Simone Inzaghi ganz bestimmt nicht vorwerfen. Der morgige Europa-League-Viertelfinal-Gegner der Salzburger (21.05 Uhr, live Puls 4) steht nämlich aktuell für Tore: 73 hat die Truppe von Liga-Topscorer Ciro Immobile in 30 Serie-A-Partien erzielt – das sind mehr als jedes andere Team.

Trotzdem spielen die „Biancocelesti“ im Serie-A-Titelrennen nicht einmal eine Nebenrolle. Was auch an der nicht ganz sattelfesten Abwehr liegt. Denn 39 Gegentore sind höchstens Mittelmaß. Zum Vergleich: Spitzenreiter Juve hat gerade einmal 16 Gegentreffer kassiert. Eine Tatsache, die von den offensivstarken Bullen ausgenützt werden könnte.

Andererseits muss man die geballte Offensivkraft der Römer erst einmal in die richtigen Bahnen lenken: Neben Immobile (26-Serie-A-, 36 Pflichtspieltore) ragen der spanische Ex-Liverpool-Akteur Luis Alberto, der italienische Teamspieler Marco Parolo sowie Sergej Milinkovic-Savic aus dem funktionierenden Kollektiv heraus. Der 23-jährige Serbe, dessen Vater Nikola Milinkovic von 2001 bis 2004 für den GAK spielte, gilt als heiße Transferaktie und soll im Fokus großer Vereine stehen. Der Niederländer Stefan de Vrij ist zudem einer der teuersten Innenverteidiger Europas.

Als Architekt der attraktiven Spielweise, die wie bei Salzburg stark auf Pressing und Konter ausgerichtet ist, gilt Trainer Simone Inzaghi. Als Stürmer trug der kleine Bruder der AC-Milan-Legende Filippo mit zwei kurzen Unterbrechungen von 1999 bis 2010 das Lazio-Trikot. Als im Sommer 2016 Marcelo Bielsa nach nur zwei Tagen wieder das Handtuch geworfen hatte, sollte der Stern des Nachwuchscoaches und Kurzzeit-Interimstrainers aufgehen. Ein Weg, der vergangene Saison in Platz vier und dem Supercup-Triumph gipfelte. Für Inzaghi könnte Lazio nun gar als Sprungbrett dienen. Immer wieder wird er als potenzieller Nachfolger von Massimiliano Allegri bei Juventus gehandelt.

Seiner langen Geschichte zum Trotz ist der 1900 gegründete Club nicht reich an Titeln. 2000 hatte Lazio seinen zweiten „Scudetto“ (Meistertitel) geholt, ein Jahr davor mit dem Cup der Cupsieger den größten internationalen Erfolg gefeiert. Danach musste der von finanziellen Schwierigkeiten gebeutelte Traditionsclub den Gürtel enger schnallen. Auf die Plätze 12, 10 und 12 in den Jahren 2008 bis 2010 folgte ein gewisser Aufschwung, die Lücke zur absoluten Spitze konnte man aber (bisher) nicht wieder schließen.

Salzburg hat indes das Ziel, den ersten Halbfinal-Einzug eines österreichischen Clubs im Europacup seit 22 Jahren zu fixieren. Dies war Rapid 1996 gelungen, als man nach einem Gesamt-4:1 über Feyenoord Rotterdam bis ins Endspiel vorgedrungen war. Erst dort mussten sich die Grün-Weißen Paris Saint-Germain mit 0:1 geschlagen geben.

Seit damals war der Viertelfinaleinzug der Wiener Austria im UEFA-Cup 2004/05 der größte Erfolg einer österreichischen Clubmannschaft. Für die Salzburger ist schon das aktuelle Viertelfinale im Nachfolgebewerb Europa League das bisher beste Ergebnis in der Ära Red Bull (seit 2005). Wenn nicht jetzt, wann dann? (t.w.)


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