Zwei Augenärzte für drei Millionen Menschen

Der Tiroler Augenarzt Klaus Miller war unlängst für „Licht für die Welt“ in Mosambik, hat dort „tragische Fälle“ miterlebt und will „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten.

© Licht f.d. Welt/Manuel Ferrigato

Innsbruck, Beira –Fast nur aus Schlaglöchern bestünden die Straßen in der Provinz Sofala im Norden von Mosambik. „Für 200 Kilometer Fahrt braucht man bis zu sieben Stunden“, schildert der Tiroler Augenarzt Klaus Miller die Situation in einem der ärmsten Länder der Welt. Gerade erst ist er von einer Reise in den südostafrikanischen Staat am Indischen Ozean zurückgekehrt. Für die gemeinnützige Organisation „Licht für die Welt“ führte er Visiten im Busch durch, besichtigte eine neue Augenklinik in der Provinzhauptstadt Beira und half bei der Fortbildung der örtlichen Ärzte.

In Mosambik habe er „tragische Fälle gesehen. Tumore, die es so bei uns schon lange nicht mehr gibt“, sagt Miller. Eines hat ihn besonders schockiert: „Behinderte Kinder werden im Busch in Hütten versteckt gehalten. ‚Licht für die Welt‘ hilft auch da. Speziell ausgebildete Mitarbeiter fahren in die Dörfer, spüren die Kinder auf. In einer inklusiven berufsbildenden Einrichtung erlernen sie dann zum Beispiel das Tischler- oder Maler-Handwerk.“

Besonders hoch ist in dem Land mit rund 25 Millionen Einwohnern die Gefahr, zu erblinden. 55 Prozent der Erblindungen seien auf den grauen Star zurückzuführen und seien mit einer richtigen Behandlung vermeidbar, erzählt der Tiroler Augenarzt. Aber: „In Österreich gibt es 800 Augenärzte für acht Millionen Menschen. In der Region in Mosambik, wo ich vor Kurzem war, gibt es zwei Augenärzte für drei Millionen Menschen.“

Miller berichtet, dass ein Großteil der medizinischen Versorgung über mobile Hilfseinsätze funktioniere. Das Personal fährt in den Busch und operiert vor Ort. Nur ganz schwere Fälle werden in die Krankenhäuser in den großen Städten gebracht.“

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Ein ebenfalls gravierendes Problem seien die Aus- und Weiterbildung der lokalen Ärzte. „In diesem Bereich müssen wir die Hilfe ansetzen. Hilfe zur Selbsthilfe leisten.“ Die Ärzte in Mosambik würden gute Arbeit leisten, meint Miller. „Aber sie operieren nicht so gut, wie sie könnten – weil sie Techniken anwenden, die bei uns vor 15 Jahren aktuell waren.“

Fast 10.000 Tiroler unterstützen derzeit die Projekte von „Licht für die Welt“. Die Organisation rettet laut Eigendefinition das Augenlicht von Menschen und ermöglicht Menschen mit Behinderung in Armutsregionen unserer Welt eine selbstbestimmte Zukunft. Sie finanziert sich vorwiegend über Spendengelder. (bfk)


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