Brutaler Kredithai 2 - Junge Schuldnerin sollte auf den Strich gehen

Wien (APA) - Ein ganz anderes Bild des Angeklagten zeichnete eine junge zweifache Mutter aus Niederösterreich, die als erste Zeugin vor Geri...

Wien (APA) - Ein ganz anderes Bild des Angeklagten zeichnete eine junge zweifache Mutter aus Niederösterreich, die als erste Zeugin vor Gericht aussagte. Sie wurde von dem 45-Jährigen mehrfach unter Druck gesetzt, da sie ihre Raten nicht zahlen konnte. Entweder kam er mit einem durchtrainierten Bekannten zu den Treffen oder er zeigte der Frau seine Schusswaffe, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

„Wenn ich nicht pünktlich zahle, dann muss ich das abarbeiten, sagte er“, berichtete die 28-Jährige. „Wie darf ich das verstehen?“, fragte Richterin Julia Matiasch. „Na, am Strich.“ Der 45-Jährige betonte auch stets, dass er wüsste, wo ihr Sohn in den Kindergarten gehe. Dort würde dann ein Fahrzeug sie und das Kind erfassen. Die Frau hatte sich im Mai 2015 bei dem 45-Jährigen in mehreren Raten insgesamt 5.400 Euro ausgeliehen, um die Kaution für eine neue Wohnung zu bezahlen. 700 Euro erhielt die junge Mutter in der Karenz monatlich. 540 zahlte sie an den Burgenländer. „Ich hab meine Miete nicht mehr zahlen können und bin im Frauenhaus gelandet.“

Im Jänner 2016 fügte er der Frau eine Quetschung am kleinen Finger zu. „Ich hab ihm die Rate nur zum Teil geben können. Da hat er gesagt: ‚Gehen wir vor die Tür.‘“ Am Weg zum Auto verdrehte er ihr den Finger „ohne Vorwarnung“. Er begleitete die verletzte Frau noch ins Krankenhaus, bläute ihr dabei jedoch ein zu sagen, dass sie gegen eine Tür gelaufen sei.

Damit nicht genug, zwang er die junge Mutter dazu, den vorgeblichen Unfall ihrer Versicherung zu melden, um für die Verletzung auch noch Geld zu kassieren. Somit erhielt der 45-Jährige 1.458 Euro von der Unfallversicherung der Frau. Bei einem weiteren Versicherungsbetrug auf eine ähnliche Art und Weise bekam er 1.900 Euro. Sie habe sich nicht getraut, ihn anzuzeigen, sagte die 28-Jährige. „Er sagte, es muss jeder dran glauben, der die Anzeige macht“, berichtete die junge Frau.

Als der 45-Jährige mitbekam, dass Mitte 2017 bereits die Polizei gegen ihn ermittelte, engagierte er zwei Tschetschenen, die für ihn als Geldeintreiber fungierten und den Schuldnern weiter Furcht einflößen sollten. Die Polizei fand bei einer Hausdurchsuchung einen vom 45-Jährigen erstellten Sparplan. Bis zum 1. März 2020 hätte er mit seinen Machenschaften 450.000 Euro erwirtschaften wollen.

Auch nach seiner Festnahme ließ er sich nicht davon abhalten, seine Klienten aus der Haftzelle mit illegal beschafften Mobiltelefonen zu kontaktieren. Kurz vor Prozessbeginn soll die Frau des Angeklagten versucht haben, die Zeugen dahin gehend zu beeinflussen, dass sie für den 45-Jährigen aussagen.

Die Verhandlung wird noch sieben weitere Prozesstermine in Anspruch nehmen. Bis zum 20. April soll ein Urteil gefällt werden. Dem 45-Jährigen werden neben schwerer Erpressung auch Geldwucher, Körperverletzung, Betrug, gefährliche Drohung und falsche Beweisaussage vorgeworfen.


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