Saudi-Arabiens Kronprinz spricht Israelis Recht auf eigenes Land zu

Washington/Jerusalem (APA/AFP) - Der saudische Kronprinz hat in einem überraschenden Schritt den Israelis das Recht auf ihr Land zugesproche...

Washington/Jerusalem (APA/AFP) - Der saudische Kronprinz hat in einem überraschenden Schritt den Israelis das Recht auf ihr Land zugesprochen. Er sei der Überzeugung, dass „die Palästinenser und die Israelis das Recht auf ihr eigenes Land haben“, sagte Kronprinz Mohammed bin Salman der am Montag erschienen Ausgabe des US-Magazin „The Atlantic“.

Notwendig sei ein Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien, „um Stabilität für alle zu sichern und normale Beziehungen zu haben“.

Bis heute unterhalten das erzkonservative sunnitische Königreich Saudi-Arabien und Israel keine diplomatischen Beziehungen. Hinter den Kulissen hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Staaten in den vergangenen Jahren jedoch allmählich gebessert. Beide sehen die mehrheitlich schiitische Islamische Republik Iran als eine Bedrohung an. Doch noch nie zuvor hatte ein derart hoher Vertreter Saudi-Arabiens Israel das Recht auf einen eigenen Staat zugesprochen.

Das Interview führte der 32-jährige Prinz während seiner dreiwöchigen Reise durch die USA mit dem Chefredakteur des Magazins, Jeffrey Goldberg. Auf dessen Frage, ob „jüdische Menschen das Recht auf einen Nationalstaat zumindest in einem Teil ihrer angestammten Heimat“ hätten, antwortete Saudi-Arabiens starker Mann, seiner Meinung nach hätten alle Menschen „überall das Recht, in ihrem friedfertigen Staat zu leben“.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung ab sofort bis auf Weiteres kostenlos digital abrufen

TT E-PaperTT E-Paper

Bin Salman sagte, er habe keinerlei „religiöse Vorbehalte“ dagegen, dass Israelis und Palästinenser Seite an Seite lebten, solange die wichtigste muslimische Stätte in Jerusalem - die Al-Aksa-Moschee (Al-Aqsa-Moschee) - geschützt werde. Saudi-Arabien ist seit 2002 Hauptsponsor der Arabischen Friedensinitiative, die eine Zwei-Staaten-Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt vorsieht. Sollte der Prinz erwartungsgemäß seinem 82-jährigen Vater, König Salman, nachfolgen, wäre er zugleich Hüter der heiligsten Stätten des Islam.

König Salman sicherte unterdessen den Palästinensern auch künftig die Unterstützung Saudi-Arabiens zu. Die Position seines Landes in der Palästinenser-Frage sei „unerschütterlich“, sagte der 82-Jährige nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur SPA, die über ein Telefonat zwischen dem König und US-Präsident Donald Trump vom Montag berichtete. Die Palästinenser hätten „legitime Ansprüche“ auf einen unabhängigen Staat mit Jerusalem als „Hauptstadt“.

Der Kronprinz hatte das Interview vor den von Israel blutig niedergeschlagenen Massenprotesten der Palästinenser im Gazastreifen vom vergangenen Freitag gegeben. Dabei töteten israelische Sicherheitskräfte nach palästinensischen Angaben 17 Palästinenser und verletzten mehr als 1.400 weitere. Israel lehnt eine unabhängige Untersuchung der tödlichen Schüsse ab. Die Proteste der Palästinenser sollen bis Mitte Mai dauern.

Am 15. Mai jährt sich zum 70. Mal die Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern die Palästinenser an Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten. Am 14. Mai, dem Tag der Staatsgründung, soll die von Tel Aviv nach Jerusalem verlagerte neue US-Botschaft in Jerusalem eröffnet werden.

US-Präsident Trump hatte im vergangenen Dezember ganz Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt. Damit brach er mit einem jahrzehntelangen internationalen Konsens, wonach der Status von Jerusalem erst in einer Friedensvereinbarung mit den Palästinensern festgelegt werden soll.

Seither lehnen die Palästinenser eine Vermittlung der USA im Nahost-Konflikt ab. Washington befürwortet zugleich eine Annäherung zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und Israel in der Absicht, das geopolitische Gewicht in der Region neu auszutarieren und den Iran zu schwächen.

In dem Interview würdigte der als Modernisierer bekannte Kronprinz Israel zudem als „große Wirtschaft in vollem Wachstum“, mit der es viele „gemeinsame Interessen“ gebe. Zugleich beschuldigte er das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, aggressiver zu sein als NS-Diktator Adolf Hitler. Letzterer habe Europa erobern wollen, der Ayatollah habe es auf die Welt abgesehen.


Kommentieren