Giftaffäre - Putin hofft auf Klarheit im Fall Skripal durch OPCW

Ankara/Den Haag (APA/dpa) - Der russische Präsident Wladimir Putin hofft auf mehr Klarheit im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal...

Ankara/Den Haag (APA/dpa) - Der russische Präsident Wladimir Putin hofft auf mehr Klarheit im Fall des vergifteten Ex-Agenten Sergej Skripal durch die Sondersitzung der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW). „Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein endgültiger Strich darunter gezogen wird“, sagte Putin bei einem Besuch in der Türkei am Dienstag.

Am Mittwoch steht eine Sondersitzung des OPCW-Exekutivrates zu dem Fall auf dem Programm. „Wir sind an einer vollwertigen Aufklärung interessiert“, sagte er. Russland hat einen eigenen Vorschlag angekündigt, um die Ermittlungen voranzubringen, aber keine Details genannt.

Großbritannien wirft Russland vor, an der Vergiftung Skripals im südenglischen Salisbury beteiligt gewesen zu sein. Putin wies dies entschieden zurück und sprach von einer „ungeheuerlichen Situation“. Nach und nach habe es Bestätigungen dafür gegeben, dass „diese verrückten Anschuldigungen, die die britische Seite ein paar Stunden nach dem Vorfall erhoben hat, auf nichts begründet sind und durch nichts gestärkt werden“, sagte er.

Das britische Labor in Porton Down, das den Fall untersucht, hatte kurz zuvor erklärt, es gebe keine präzisen Hinweise, dass der Stoff, mit dem Skripal vergiftet wurde, aus Russland gekommen sei. Putin sagte mit Blick darauf, er sei verwundert, wie schnell die westlichen Staaten ihre Schlüsse im Fall Skripal gezogen hätten. Die britischen Behörden hätten selbst gesagt, dass sie mindestens zwei Monate bräuchten für die Untersuchungen, betonte er. „Nach Angaben internationaler Experten können rund 20 Staaten auf der Welt ähnliche Nervengifte herstellen“, sagte Putin. London geht davon aus, dass Skripal mit dem sowjetischen Nervengift Nowitschok vergiftet wurde.

Russland wartet in der Giftaffäre nach eigener Darstellung weiter auf Informationen. „Wir haben auf keine unserer Fragen eine Antwort erhalten“, sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow am Dienstagabend im TV-Sender Rossija-24.

Russland hatte eine Liste mit 13 Fragen zum Fall Skripal bei der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) eingereicht. Unter anderem will Russland mehr über die Ermittlungen der OPCW-Experten erfahren. Auch an Großbritannien und Frankreich hatte das russische Außenministerium Listen mit Fragen gerichtet. In dem Streit haben Dutzende westliche Länder und Russland zahlreiche Diplomaten ausgewiesen. Tschischow sagte, die Beziehungen zu den Ländern, die sich daran beteiligt hätten, seien auf lange Zeit beschädigt.


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