Britisches Labor: Kein Beweis für russischen Ursprung von Nervengift

London (APA/Reuters/dpa) - Das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hat nach eigenen Angaben bisher keine Beweise dafü...

London (APA/Reuters/dpa) - Das Forschungszentrum des britischen Verteidigungsministeriums hat nach eigenen Angaben bisher keine Beweise dafür gefunden, dass das bei dem Anschlag auf einen russischen Ex-Doppelagenten verwendete Nervengift in Russland hergestellt wurde. „Wir haben seinen genauen Ursprung nicht identifiziert“, sagte der Leiter des Militärlabors Porton Down, Gary Aitkenhead, am Dienstag dem Sender Sky News.

Die Wissenschafter hätten aber festgestellt, dass es sich um das Präparat Nowitschok gehandelt habe, ein zur militärischen Verwendung gedachtes Nervengift. Sie hätten ihre Informationen an die Regierung weitergegeben, die dann „unter Verwendung anderer Quellen die Schlussfolgerungen zusammensetzte, zu denen man gelangte“. Das britische Außenministerium bekräftigte am Dienstagabend, dass Moskau für den Anschlag verantwortlich sei: „Es gibt keine andere plausible Erklärung dafür.“ Der russische Präsident Wladimir Putin sagte indes, dass bei einer Sondersitzung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) am morgigen Mittwoch ein „Schlussstrich“ unter die Affäre gezogen werden könnte.

Nowitschok wurde vom sowjetischen Militär in den 1970er und 80er Jahren entwickelt. Die britische Regierung wirft Präsident Putin vor, hinter dem Anschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter am 4. März im englischen Salisbury zu stecken. Russland weist dies zurück. Putin sagte am Dienstag am Rande eines Besuchs in Ankara, dass sein Land „an einer vollumfänglichen Untersuchung interessiert“ sei. Moskau habe anlässlich der Sitzung des Exekutivrates der OPCW 20 Fragen aufgeworfen. „Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein Schlussstrich gezogen werden kann unter das, was passiert ist.“ Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ging noch einen Schritt weiter und forderte eine Entschuldigung Londons.

Der Anschlag hat die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zusätzlich massiv belastet. So wiesen westliche Staaten etwa 130 russische Diplomaten aus. Auch Deutschland beteiligte sich an dem Vorgehen, was jedoch nach den Äußerungen des britischen Forschers infrage gezogen wurde. So kommentierte etwa der christdemokratische Ministerpräsident des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, am Dienstag auf Twitter: „Wenn man fast alle NATO-Staaten zur Solidarität zwingt, sollte man dann nicht sichere Belege haben? Man kann zu Russland stehen wie man will, aber ich habe im Studium des Völkerrechts einen anderen Umgang der Staaten gelernt.“

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Aitkenhead betonte, Nowitschok sei nur sehr schwer herzustellen. „Dazu hat nur ein staatlicher Akteur die Fähigkeiten.“ Sein Labor arbeite weiter daran, zusätzliche Informationen zur Verfügung zu stellen, um die Herkunft genauer bestimmen zu können. „Aber bis jetzt waren wir dazu nicht in der Lage.“

Die britische Regierung verfüge über zusätzliche Informationen, mit denen sich die Herkunft des Nervengifts bestimmen lasse, sagte Aitkenhead. Einige davon stammen von den Geheimdiensten. Zudem sei bekannt, dass Russland in den vergangenen Jahren untersucht habe, wie sich Nervengift vermutlich für Attentate verwenden lasse. „Und als Teil dieses Programms wurden kleine Nowitschok-Mengen hergestellt und gelagert.“ Auch wisse man von Attentaten im Auftrag des russischen Staats. Hinzu komme die Einschätzung, dass Russland ehemalige Geheimdienstoffiziere als Ziele betrachte. Aitkenhead wies zugleich russische Andeutungen zurück, wonach das Gift auch aus dem nur elf Kilometer vom Tatort entfernten Labor selbst stammen könnte.

Skripals Zustand ist stabil, aber nach wie vor kritisch. Seine Tochter Julia befindet sich auf dem Weg der Besserung nach drei Wochen in kritischem Zustand.


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